Dinge, die sich durch die Betrachtung der Aussagen Ahmads22 hierzu ergeben
Abu Bakr al-Khallal رحمه الله überliefert zahlreiche Überlieferungen von Ahmad zur Thematik des Eintritts in den Islam.
Ich kann an dieser Stelle nicht alle Überlieferungen einzeln wiedergeben und besprechen. Deshalb beschränke ich mich hier darauf, zu erwähnen, was aus den Überlieferungen in Bezug auf die Ansichten Ahmads zu diesen Fragestellungen verstanden werden kann23:
- Dass Ahmad den Fehler in der Überlieferung („Rasul“ statt „Nabiyy“) als großen Fehler betrachtete.
- Dass er meinte, dass (vor allem) wegen dem Wort „Nabiyy“ für den Propheten صلى الله عليه وسلم klar war, dass diese Leute den Islam dadurch nicht annehmen wollten, sondern nur ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen wollten.
- Dass Ahmad also ganz allgemein unterschied, ob jemand bei so einer Bezeugung „Nabiyy“ oder „Rasul“ sagt.
- Dass man jemandem, der bezeugt, dass Muhammad ein Nabiyy ist, hierauf aber weiterhin seiner früheren Religion folgt, nicht vorwerfen kann, er würde den Islam nicht richtig befolgen bzw. umsetzen, weil er sich nicht an dessen Gebote und Verbote hält – da er durch jene Bezeugung eben nicht in den Islam eingetreten ist.
Ahmad sagte deshalb hierzu: „Dann sagen wir ihm nichts.“
- Dass jemand, wenn er bezeugt, dass Muhammad Rasulu-llah ist, dadurch in den Islam eingetreten ist.
- Dass Ahmad hierzu sagte: „Und was ist noch deutlicher und größer als das?“ – er meinte damit: „Was könnte noch deutlicher zeigen, dass jemand in den Islam eingetreten ist, als diese Aussage?“.
- Dass ein Jude, wenn er nur den zweiten Teil der Shahadah bezeugt, dadurch zum Muslim und als solcher erachtet wird, weil er nämlich zuvor schon den Monotheismus bezeugt hat – selbst wenn er im Nachhinein meint, er hätte damit nicht bezweckt, in den Islam einzutreten.
- Dass dies für einen Christen oder Zoroastrier (Feueranbeter) nicht gilt, weil diese zuvor nicht den Monotheismus bezeugten.
- Dass die Gelehrten sich all diese Fragen schon in der Frühzeit des Islam gestellt haben.
- Dass aus diesen Texten klar hervorgeht, dass der Gedanke, die Juden würden – im Gegensatz zu den Christen – grundsätzlich den Monotheismus bezeugen, schon bei den frühen islamischen Gelehrten nicht ungewöhnlich war.
- Dass es andere Leute zur Zeit von Ahmad gab, die von den Juden bzw. Christen mehr als die Shahadatain verlangten, weil es unter diesen „Leuten der Schrift“ (Ahlu l-Kitab) solche gab, die meinten, dass Muhammad صلى الله عليه وسلم zwar ein Prophet sei, aber nicht zu ihnen bzw. nicht zur gesamten Welt entsandt wurde, sondern nur zu den Arabern.
- Dass Ahmad dieser Sichtweise – nämlich, mehr als die beiden Glaubensbekenntnisse zu verlangen – widersprach und sie mit anderen Ahadith widerlegte, laut denen solche Menschen durch das bloße Glaubensbekenntnis in den Islam eintreten.
- Dass ebendiese andere Ansicht von den „Anhängern von Abu Hanifah“ vertreten wurde.
- Dass er sagte: „In das Herz eines jeden, der sich die Aussagen von Abu Hanifah ansieht, geht der Fehler über.“
- Dass Ahmad bei der ganzen Thematik aber nur über jemanden sprach, der deutlich den Islam annehmen will. Denn er sagt an einer Stelle: „Wenn die Person kommt und den Islam will.“ bzw. „Wenn er kommt, um in den Islam einzutreten.“
Wenn es hingegen deutlich ist, dass die Person mit ihrer Aussage den Islam gar nicht annehmen will, so wird sie dadurch auch nicht als Muslim betrachtet – selbst wenn jene Person die beiden Glaubensbekenntnisse ausspricht und dabei auch „Rasul“ und nicht nur „Nabiyy“ sagt.
- Dass jemand, der sagt „Ich bin ein Muslim und Muhammad ist ein Nabiyy.“, dadurch ein Muslim ist und als solcher angesehen wird, weil er sagt „Ich bin ein Muslim“.
- Dass er sich ausdrücklich über Abu Hanifah wunderte, weil er über diesen hörte (er sagte „balaghani 'anhu“), dass dieser zusätzlich verlangt, die Person solle bezeugen, dass sie sich von ihrer früheren Religion lossagt – was sich wohl nur auf Juden bzw. Christen beziehen müsste.
- Dass Ahmad bei Abu Mu'awiyah war, als dieser von der Ansicht Abu Hanifahs hörte. Abu Mu'awiyah lehnte dies ab und konnte nicht glauben, dass Abu Hanifah das wirklich sagte.
Fußnoten
Es ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass ich alle folgenden Aussagen von Ahmad sowie die noch kommenden Aussagen von Ash-Shafi'i und Ishaq ibnu Rahawaih nicht anführe, um damit für eine persönliche Meinung zu argumentieren.
Ich erwähne sie lediglich zum Zwecke der wissenschaftlichen Analyse und weil ich meine, dass sie für ein umfassendes Verständnis der Thematik ebenfalls betrachtet werden sollten. ↩
- Siehe dazu vor allem auch: Ahkamu Ahli l-Milal, von Abu Bakr al-Khallal (gest. 311 n. H.), folgende zwei aufeinanderfolgende Kapitel: باب إذا قَالَ الذمي أشهد أن محمدا نبي – باب الإنكار عَلَى من خالف ذلك ↩