Die vorislamischen Götzendiener glaubten an einen einzigen Schöpfer
Wie bereits erwähnt, zeigen die islamischen Quellen – begonnen natürlich beim Koran selbst – eindeutig, dass die vorislamischen Götzendiener der Araber von der Existenz Allahs als dem einen und einzigen Schöpfer allen Seins überzeugt waren.
In diesem Kapitel sollen mehrere Beispiele für solche Stellen aus dem Koran gegeben werden. Zudem soll an den Auslegungen der frühesten muslimischen Gelehrten für ebendiese Koran-Verse gezeigt werden, dass diese Texte bei den Muslimen von Anbeginn auch nur so verstanden wurden. Für die frühen Muslime war es eine Selbstverständlichkeit, dass die arabischen Mushrikun/Götzendiener um die Existenz eines einzigen Schöpfers Bescheid wussten. Ihnen war klar, dass der Koran sie im Speziellen dafür rügt, dass sie trotz dieses Wissens neben Ihm andere anbeteten.
Der Koran-Vers „Hat er etwa die Angebeteten zu einem einzigen Angebeteten gemacht?!“
Im Koran heißt es in Sure Sad:
﴿أَجَعَلَ الْآلِهَةَ إِلَهًا وَاحِدًا إِنَّ هَذَا لَشَيْءٌ عُجَابٌ﴾
Hat er etwa die Angebeteten56 zu einem einzigen Angebeteten gemacht?! Gewiss, dies ist doch eine sehr merkwürdige Sache.
(Sure Sad, 38:5)
At-Tabari erwähnt hierzu folgende Erläuterung:
يَقُولُ: وَقَالَ هَؤُلَاءِ الْكَافِرُونَ الَّذِينَ قَالُوا: مُحَمَّدٌ سَاحِرٌ كَذَّابٌ: أَجْعَلَ مُحَمَّدٌ الْمَعْبُودَاتِ كُلَّهَا وَاحِدًا، يَسْمَعُ دُعَاءَنَا جَمِيعَنَا، وَيَعْلَمُ عِبَادَةَ كُلِّ عَابِدٍ عَبَدَهُ مِنَّا {إِنَّ هَذَا لَشَيْءٌ عُجَابٌ} [ص: 5] أَيْ إِنَّ هَذَا لَشَيْءٌ عَجِيبٌ ...
Und so sagten jene Kafirun, welche behaupteten, Muhammad wäre ein Zauberer und Lügner: „Hat Muhammad etwa die Angebeteten (al-ma'budat) zu einem Einzigen gemacht, der all unsere Bittgebete hört und über den Gottesdienst von jedem Bescheid weiß, der Ihn anbetet von uns?! Gewiss, dies ist doch eine sehr merkwürdige Sache.“ …
Beim Wort „Angebeteten“ verwendete at-Tabari hier zur Erklärung jedoch nicht das Wort Alihah, um das es aufgrund der heute vorherrschenden Unwissenheit große Konfusion gibt. Vielmehr benutzte er dafür das eindeutige Wort ma'budat.
At-Tabari erklärte somit etwa Ende des 3. Jahrhunderts n. H. die Bedeutung dieser koranischen Aussage eindeutig in dem zuvor erklärten Sinn. Darin zeigt sich also zweifelsfrei, dass das im Koran benutzte Wort Alihah in der Bedeutung von „Angebetete“ verstanden werden muss und nicht im Sinn von „Schöpfer“ oder Ähnlichem.
Wer den Koran aufmerksam liest, müsste eigentlich wissen, dass der Begriff Ilah nicht im Sinne von Schöpfer verstanden werden kann. Umso verwunderlicher ist, dass über Jahrhunderte hinweg Leute, die als große Gelehrte gelten und sich sogar mit der Koran-Exegese beschäftigten, auf einem falschen Verständnis beharrten.
Beim obenerwähnten Vers z. B. fragt man sich, wie solche Leute die darin befindliche Aussage einfach übergehen konnten. Schließlich ist klar, dass die Götzendiener meinten: „Will Muhammad denn unsere Angebeteten zu einem einzigen Angebeteten machen?“. Es müsste für jeden Leser des Koran offensichtlich sein, dass hier nicht die Rede davon sein kann, dass Muhammad angeblich alle Schöpfer zu einem einzigen Schöpfer machen wollte. Dies ergäbe keinen Sinn.
Nun mag jemand, der keine Kenntnis von den frühen Koran-Exegesen hat, glauben, dass dies eine einzelne Aussage ist. Dies ist jedoch ein schwerwiegender Trugschluss. Vielmehr handelt es sich um eine Konsensmeinung, die etliche Male alleine in diesem einen Werk von at-Tabari erwähnt und von den noch früheren Tafsir-Gelehrten überliefert wird – und ebenso in zahllosen anderen frühen Werken der islamischen Überlieferung.
Im weiteren Verlauf sollen deshalb beispielhaft einige weitere Texte erwähnt werden.
Der Aufruf der Propheten und die Antwort ihrer Völker darauf
Im Koran wird immer wieder die folgende Aussage der Propheten عليهم السلام zu ihren Völkern erwähnt. Sie wird an verschiedenen Stellen im selben Wortlaut wiederholt – häufig auch in derselben Sure mehrmals, vor allem in Sure al-A'raf:
﴿يَا قَوْمِ اعْبُدُوا اللَّهَ مَا لَكُمْ مِنْ إِلَهٍ غَيْرُهُ﴾
Oh mein Volk! Betet Allah (alleine) an. Es gibt für euch nichts anderes Anbetungswürdiges.
(Sure al-A'raf, 7:59, 65, 73, 85; Sure Hud, 11:50, 61, 84; Sure al-Mu'minun, 23:23, 32)
Hier wird wiederum das Wort Ilah verwendet. Jedoch zeigt die Antwort jener Völker auf diesen Aufruf überaus deutlich, dass sie diesen als Aufruf zur alleinigen Anbetung des Schöpfers verstanden und deshalb in weiterer Folge auch häufig ablehnten.
So lautete die Antwort des Volkes von 'Ad gegenüber ihrem Propheten Hud عليه السلام beispielsweise:
﴿قَالُوا أَجِئْتَنَا لِنَعْبُدَ اللَّهَ وَحْدَهُ وَنَذَرَ مَا كَانَ يَعْبُدُ آبَاؤُنَا﴾
Sie sagten: Bist du etwa zu uns gekommen, auf dass wir nur Allah alleine anbeten und das lassen, was unsere Väter angebetet haben?!
(Sure al-A'raf, 7:70)
Sie verstanden also klar und deutlich, dass sich der Aufruf auf den Monotheismus in der Anbetung bezieht und mit dem Wort Ilah „Angebeteter” gemeint ist und nicht etwa „Schöpfer”. Dies, weil sie über den Monotheismus in Belangen der Schöpfung, Versorgung und Ähnlichem ohnehin von Geburt an Kenntnis hatten.
At-Tabari bestätigt dies wiederum mit äußerster Deutlichkeit als er bei diesem Vers erklärend sagt:
يَقُولُ تَعَالَى ذِكْرُهُ: قَالَتْ عَادٌ لِهُودٍ: أَجِئْتَنَا تَتَوَعَّدَنَا بِالْعِقَابِ مِنَ اللَّهِ عَلَى مَا نَحْنُ عَلَيْهِ مِنَ الدِّينِ كَيْ نَعْبُدَ اللَّهَ وَحْدَهُ وَنَدِينَ لَهُ بِالطَّاعَةِ خَالِصًا وَنَهْجُرَ عِبَادَةَ الْآلِهَةِ وَالْأَصْنَامِ الَّتِي كَانَ آبَاؤُنَا يَعْبُدُونَهَا وَنَتَبَرَّأَ مِنْهَا؟
Der Erhabene sagt also, dass das Volk von 'Ad zum Propheten Hud sagte: „Bist du denn etwa zu uns gekommen, uns die Strafe Allahs androhend, wegen unserer Religion? Damit wir nur Allah alleine anbeten und nur Ihm gegenüber gehorsam sind, zu niemand anderem, in völliger Hingabe?! Und damit wir die Anbetung unserer Alihah und Götzen unterlassen, welche unsere Väter angebetet haben? Auf dass wir uns von diesen lossagen?!“
Äußerst klar also wiederum auch die Erklärung des Tafsir-Gelehrten at-Tabari darin, dass diese Götzendiener eines früheren, im Koran erwähnten Volkes sehr wohl Kenntnis von Allah als dem einzigen Schöpfer hatten und Diesen auch anbeteten, Ihm aber in der Anbetung und im Gehorsam andere beigesellten.
Der Vers: „So gesellt Allah keine Ebenbürtigen bei, wo ihr (es) doch (besser) wisst.”
Als weiteres Beispiel lässt sich der folgende Vers in Sure al-Baqarah anführen. Darin heißt es:
﴿الَّذِي جَعَلَ لَكُمُ الْأَرْضَ فِرَاشًا وَالسَّمَاءَ بِنَاءً وَأَنْزَلَ مِنَ السَّمَاءِ مَاءً فَأَخْرَجَ بِهِ مِنَ الثَّمَرَاتِ رِزْقًا لَكُمْ فَلَا تَجْعَلُوا لِلَّهِ أَنْدَادًا وَأَنْتُمْ تَعْلَمُونَ﴾
… So setzt Allah keine Gleichgestellten57 bei, wo ihr (es) doch (besser) wisst.
(Sure al-Baqarah, 2:22)
Ibnu Abi Hatim – und ebenso at-Tabari – überliefert in seinem Tafsir hierzu folgende Aussage des Prophetengefährten Ibnu 'Abbas رضي الله عنهما:
عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ: {فَلا تَجْعَلُوا لِلَّهِ أَنْدَادًا وَأَنْتُمْ تَعْلَمُونَ} [البقرة: 22] أَيْ لَا تُشْرِكُوا بِاللَّهِ غَيْرَهُ مِنَ الأَنْدَادِ الَّتِي لَا تَنْفَعُ وَلا تَضُرُّ، وَأَنْتُمْ تَعْلَمُونَ أَنَّهُ لَا رَبَّ لَكُمْ يَرْزُقُكُمْ غَيْرُهُ، وَقَدْ عَلِمْتُمُ الَّذِي يَدْعُوكُمْ إِلَيْهِ الرَّسُولُ مِنْ تَوْحِيدِهِ هُوَ الْحَقُّ لَا يُشَكُّ فِيهِ.
„So setzt Allah nichts als Ebenbürtige bei, wo ihr (es) doch (besser) wisst.“ Dies bedeutet: Gesellt Allah nichts bei von den (angeblich) Ebenbürtigen, welche (tatsächlich) keinen Nutzen und keinen Schaden bringen können, wo ihr doch wisst, dass es außer Ihm keinen Herrn für euch gibt, der euch versorgt, und wo ihr doch wisst, dass dasjenige, zu dem euch der Gesandte aufruft vom Tauhid Allah gegenüber, die Wahrheit ist, an der es keinen Zweifel gibt.
Wenn man diese Aussage alleine betrachtet, so ist sie völlig ausreichend zur endgültigen Widerlegung der wirren Ideen über die Bedeutung des Wortes Ilah und des islamischen Glaubensbekenntnisses, die heute weltweit vorherrschen. Hierbei ist auch zu bedenken, dass es sich um die überlieferte Aussage eines sehr bekannten Prophetengefährten und darüber hinaus eines der bedeutendsten Gelehrten des Islam überhaupt handelt.
Gleiches gilt für die folgende Aussage von Qatadah, welche von Ibnu Abi Hatim in seinem Tafsir über denselben Koran-Vers überliefert wird:
عَنْ قَتَادَةَ: {فَلا تَجْعَلُوا لِلَّهِ أَنْدَادًا وَأَنْتُمْ تَعْلَمُونَ} أَنَّ اللَّهَ خَلَقَكُمْ وَخَلَقَ السَّمَاوَاتِ وَالأَرْضَ، ثُمَّ أَنْتُمْ تَجْعَلُونَ لَهُ أَنْدَادًا.
„So setzt Allah nichts als Ebenbürtige bei, wo ihr doch wisst”, dass Allah euch und ebenso die Himmel und die Erde erschaffen hat, und dennoch gesellt ihr Ihm Ebenbürtige bei!
Durch die vorausgehenden Zitate ist also eindeutig und unzweifelhaft belegt, dass die Götzendiener zur Zeit der Herabsendung des Islam an einen Schöpfer, Lebensspender und Versorger glaubten, Diesem aber andere in der Anbetung, im Gottesdienst und im Gehorsam beigesellten.
Die mekkanischen Mushrikun glaubten also an einen Schöpfer und gesellten Ihm auch keinen anderen bei in Bezug auf Seine Eigenschaft als Schöpfer und Lebensspender.
Demzufolge konnte also ihr Problem mit dem Glaubensbekenntnis nicht darin liegen, Allah سبحانه وتعالى als den einzigen Schöpfer anzuerkennen. Vielmehr verstanden sie – im Gegensatz zu vielen Menschen heutzutage, die sich zum Islam bekennen (!) – sehr genau die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses und dadurch auch die Kernaussage des Islam, zu der sie aufgerufen wurden.
Und gerade weil sie diese Bedeutung so genau verstanden hatten, lehnten sie den Islam ab. Sie wussten nämlich, dass der Prophet صلى الله عليه وسلم sie nicht in erster Linie zur Anerkennung eines einzigen Schöpfers aufrief, sondern zu dessen alleiniger Anbetung! Diese letztere Forderung wollten sie keinesfalls erfüllen. Genau darin bestand ihr Grundproblem.
Der Vers: „Mache uns einen Angebeteten (Ilah), wie diese hier auch Angebetete (Alihah) haben“
Ein weiteres Beispiel für das Gesagte ist die im Koran geschilderte Geschichte, als Musa/Moses عليه السلام mit seinem eigenen Volk an einem anderen Volk von Götzendienern vorbeikam und einige seiner Leute sagten:
﴿اجْعَلْ لَنَا إِلَهًا كَمَا لَهُمْ آلِهَة﴾
… Mache uns einen Angebeteten (Ilah), wie diese hier auch Angebetete (Alihah) haben.
(Sure al-A'raf, 7:138)
Das Wort „Ilah“ kann hier an sich nicht „Schöpfer“ bedeuten. In dem Fall wäre die Bedeutung des Verses nämlich: „Mache uns einen Schöpfer, so wie sie auch mehrere Schöpfer haben.“
Es muss also vielmehr heißen: „Mache uns einen Angebeteten, so wie sie auch mehrere Angebetete haben.“
Der Vers: Und wenn du sie fragst: „Wer hat die Himmel und die Erde geschaffen …“
Eine weitere wichtige koranische Aussage in diesem Bezug ist folgender Ausdruck, der sich im Koran mehrfach in ähnlicher Weise wiederholt:
﴿وَلَئِنْ سَأَلْتَهُمْ مَنْ خَلَقَ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ وَسَخَّرَ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ لَيَقُولُنَّ اللَّهُ فَأَنَّى يُؤْفَكُونَ﴾
Und wenn du sie fragst: „Wer hat die Himmel und die Erde geschaffen und euch die Sonne und den Mond dienstbar gemacht?“ - dann sagen sie gewiss: „Allah.“ Wieso lassen sie sich dann abwenden?
(Sure al-'Ankabut, 29:61)
Auch bei diesem und vielen anderen Versen des Koran kann man, wie bereits erwähnt, in den frühen Koran-Exegesen die deutliche Erklärung des Wortes Ilah und damit des islamischen Glaubensbekenntnisses finden.
Gemäß diesen Erklärungen der frühen Exegeten – wie at-Tabari und Ibnu Abi Hatim sowie jenen noch früheren Gelehrten, die von diesen beiden zitiert werden – ist die letzte Aussage in diesem Vers in folgender Weise zu beschreiben: „Wieso lassen sich jene Götzendiener dann von Allah und Seiner alleinigen Anbetung abwenden?“
Im Tafsir zum quasi gleichlautenden Vers 43:87 des frühen mufassir/Koran-Exegeten Muqatil ibnu Sulaiman58,
der zu den sog. atba'u t-Tabi'in59 gezählt wird, findet sich dies z. B. in äußerster Deutlichkeit, als er sagt:
قال الله تعالى لنبيِّه صلى الله عليه وسلم قل لهم: {فَأَنَّى يُؤْفَكُونَ} يقول مِن أين يكذبون بأنَّه واحد لا شريك له، وأنتم مقرّون أنّ الله خالق الأشياء وخلقكم، ولم يشاركه أحد في ملكه فيما خلق؟ فكيف تعبدون غيره؟
Allah der Erhabene sagte zu Seinem Propheten صلى الله عليه وسلم: „Sag ihnen: ‚Wieso lassen sie sich dann abwenden?‘, d. h.:
‚Warum leugnen sie dann, dass Er ein Einziger ist, Der keinen Teilhaber hat?‘, wo ihr doch bestätigt, dass Allah der Schöpfer aller Dinge ist, Er euch ebenso erschaffen hat und keinen Teilhaber in Seiner Herrschaft hat, in dem was Er erschuf?
Wie könnt ihr also andere außer Ihm anbeten?“
Nach den bisher erwähnten Beispielen zeigt sich bei einem vergleichenden Blick in die bereits angesprochene heutige Realität also deutlich, wie weit viele Menschen über Jahrhunderte hinweg von einem richtigen Verständnis verschiedener Grundfragen des Islam entfernt waren und sind.
Wer die Kommentare mancher philosophie-beeinflusster Gelehrten liest, wird finden, dass diese bei ihren Erläuterungen zu derartigen Quelltexten wirre und widersprüchliche Aussagen trafen.
Dennoch wirkt der starke Einfluss der Philosophie weiter in der gesamten islamischen Welt, weshalb an den meisten Universitäten solche fehlerhaften Verständnisse über das Glaubensfundament als Standardlehrmeinung unterrichtet werden.
Fußnoten
Im Arabischen wird hier das Wort Alihah, der Plural von Ilah, verwendet. Es ist jenes Wort, das auch im Glaubensbekenntnis enthalten ist und dessen falsches Verständnis, wie kürzlich beschrieben, zur falschen Deutung des Glaubensbekenntnisses geführt hat.
Im Glaubensbekenntnis wird nämlich die Existenz aller (zu Recht) Angebeteten verneint, außer in Bezug auf den einen zu Recht Angebeteten. Deshalb auch der Wortlaut: „Es gibt keinen (rechtmäßigen) Ilah, außer Allah“, la Ilaha illa-llah. ↩
- Häufig übersetzt mit: „So setzt Allah nichts als Ebenbürtige bei“. Gemeint ist damit: „So gesellt Allah keine Ebenbürtigen bei“. Diese Übersetzung wird jedoch vermieden, damit nicht der Eindruck entsteht, diese Beigesellten wären tatsächlich ebenbürtig. Im Arabischen wird diese Stelle etwa so verstanden: „So macht neben Allah keine (angeblich) Ebenbürtigen“. Das Wort „Gleichgestellte“ schien deshalb hier passender zu sein. ↩
Abu l-Hasan Muqatil ibnu Sulaiman al-Balkhi (gest. 150 n. H./767 n. Chr.) ist einer der frühesten Exegeten, deren schriftlich festgehaltener Tafsir bis heute vorhanden ist.
Über die Person von Muqatil ibnu Sulaiman selbst wurde viel geredet, wobei er von einigen Personen vehement kritisiert und der groben Abirrung in Glaubensfragen bezichtigt wurde. Demgegenüber verneinten einige andere Gelehrte diese Behauptung. In der Hadith-Überlieferung wurde er darüber hinaus allgemein als schwach befunden. Dies alles ändert jedoch nichts daran, dass ihm sein umfassendes Wissen über den Tafsir ganz allgemein bekundet wurde. Gleichzeitig wurde der Inhalt seines Tafsir-Werkes an sich von namhaften Gelehrten sehr positiv bewertet, wie z. B. von 'Abdullah ibnu l-Mubarak überliefert wird, dass er sagte „Was für ein Wissen, hätte es doch nur eine Überlieferungskette“ (ya lahu min 'ilmin, lau kana lahu Isnad) [siehe dafür vor allem: Tarikhu Baghdad].
Ibnu 'Adiyy al-Jurjani (gest. 365 n. H./976 n. Chr.) überliefert in seinem Buch al-Kamilu fi Du'afa'i r-Rijal: ...
قَال لي نعيم بْن حَمَّاد رأيت عند سُفْيَان بْن عُيَينة كتابا لمقاتل بْن سُلَيْمَان فقلت لسفيان يَا أَبَا مُحَمد تروي لمقاتل فِي التفسير؟ قَال: لاَ ولكن أستدل بِهِ وأستعين بِهِ.
[Überlieferungskette] Es sagte zu mir Nu'aim ibnu Hammad: „Ich sah bei Sufyan ibnu 'Uyainah ein Buch von Muqatil ibnu Sulaiman, worauf ich zu ihm sagte: ‚Oh Abu Muhammad. Du überlieferst von Muqatil im Tafsir?‘ Er sagte: ‚Nein, aber ich argumentiere damit und nehme ihn zur Hilfe‘“.
Ibnu 'Adiyy erwähnt darüber hinaus, dass Muqatil den Tafsir gut kannte (kana hafidhan li-t-Tafsir), aber von Überlieferungsketten nicht viel verstand. Wie bereits erwähnt, fand das Wissen von Muqatil im Gebiet des Tafsir bei der Gelehrsamkeit also allgemeine Anerkennung.
Wenn einige wenige Texte von Muqatil ibnu Sulaiman in diesem Buch überliefert werden, geht es also nicht darum, von der Person Hadithe zu überliefern. Vielmehr soll dadurch gezeigt werden, dass schon die frühesten Aufzeichnungen über den Tafsir das in diesem Buch Gesagte voll und ganz bestätigen und keinesfalls davon abweichen sowie, dass die frühen Gelehrten diese von Muqatil überlieferten Erklärungen keinesfalls ablehnten, sondern sie bestätigten. ↩
Die Tabi'un (die Folgenden) sind die Generation nach der Generation der Prophetengefährten رضي الله عنهم. Die darauffolgende (zweite) Generation wird als atba'u t-Tabi'in bezeichnet.
Diesen drei Generationen – angefangen mit jener der Prophetengefährten – kommt eine besondere Bedeutung in der islamischen Theologie und auch in der islamischen Überlieferung zu, da ihre Güte in einem Ausspruch des Propheten صلى الله عليه وسلم bestätigt wurde. ↩