Die „Hingabe des Gesichts“ ist der Ikhlas
Im zuvor betrachteten Vers des Koran wurde erwähnt, dass die „Hingabe des Gesichts“ zum Schöpfer der Welten die eine Sache ist, die einen Menschen zum Monotheisten macht und ihm den Eingang ins Paradies ermöglicht. Deshalb sollte diesem Ausdruck besonderes Augenmerk geschenkt werden.
Durch die Erklärungen der frühen Gelehrten und Koran-Exegeten lässt sich zeigen, dass es sich bei der „Hingabe des Gesichts“, die im Koran an mehreren Stellen wiederkehrt, um den reinen Monotheismus handelt, welcher in der alleinigen Anbetung und im alleinigen Gehorsam gegenüber Allah besteht.
So überliefert at-Tabari zu diesem Vers Folgendes85:
كَمَا حَدَّثَنِي الْمُثَنَّى، قَالَ: ثَنَا إِسْحَاقُ، قَالَ: ثَنَا ابْنُ أَبِي جَعْفَرٍ، عَنْ أَبِيهِ، عَنِ الرَّبِيعِ: {بَلَى مَنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّهِ} [البقرة: 112] يَقُولُ: «أَخْلَصَ لِلَّهِ»
Von ar-Rabi' wird überliefert: (… Wer sein Gesicht Allah hingibt) bedeutet: „akhlasa li-llah“.
Wie zuvor erklärt wurde, bedeutet akhlasa „rein machen bzw. reinigen“. Somit bedeutet dieser von ihm gebrauchte Ausdruck hier: „Wer sein Gesicht Allah hingibt“, d. h. „Wer den Ikhlas für Allah durchführt“, also „Wer (seine Taten) für Allah völlig reinigt“.
In allen frühen Werken des Tafsir findet man zu diesem Ausdruck Erklärungen dieser Art vor. Wie bereits verdeutlicht wurde, sagt der Begriff akhlasa li-llah aus, dass der Mensch seine Taten, seine 'Ibadah, seinen Din, seinen Gehorsam usw. für Allah reinigt und diese Dinge somit niemandem zukommen lässt außer Ihm.
Es geht also um den mehrfach erwähnten Ikhlas, jene Reinigung, die im Grunde nur ein weiteres Wort zur Beschreibung des reinen und tatsächlichen Monotheismus in den frühen Quellen des Islam darstellt.
Sodann sagt at-Tabari:
وَكَمَا قَالَ زَيْدُ بْنُ عَمْرِو بْنِ نُفَيْلٍ:
وَأَسْلَمْتُ وَجْهِي لِمَنْ أَسْلَمَتْ ... لَهُ الْمُزْنُ تَحْمِلُ عَذْبًا زُلَالَا
يَعْنِي بِذَلِكَ: اسْتَسْلَمَتْ لِطَاعَةِ مَنِ اسْتَسْلَمَ لِطَاعَتِهِ الْمُزْنُ وَانْقَادَتْ لَهُ.
وَخَصَّ اللَّهُ جَلَّ ثَنَاؤُهُ بِالْخَبَرِ عَمَّنْ أَخْبَرَ عَنْهُ بِقَوْلِهِ: {بَلَى مَنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّهِ} [البقرة: 112] بِإِسْلَامِ وَجْهِهِ لَهُ دُونَ سَائِرِ جَوَارِحِهِ؛ لِأَنَّ أَكْرَمَ أَعْضَاءِ ابْنِ آدَمَ وَجَوَارِحِهِ وَجْهُهُ، وَهُوَ أَعْظَمُهَا عَلَيْهِ حُرْمَةً وَحَقًّا، فَإِذَا خَضَعَ لِشَيْءٍ وَجْهُهُ الَّذِي هُوَ أَكْرَمُ أَجْزَاءِ جَسَدِهِ عَلَيْهِ فَغَيْرُهُ مِنْ أَجْزَاءِ جَسَدِهِ أَحْرَى أَنْ يَكُونَ أَخْضَعَ لَهُ.
وَلِذَلِكَ تَذْكُرُ الْعَرَبُ فِي مَنْطِقِهَا الْخَبَرَ عَنِ الشَّيْءِ فَتُضِيفُهُ إِلَى وَجْهِهِ وَهِيَ تَعْنِي بِذَلِكَ نَفْسَ الشَّيْءِ وَعَيْنَهُ ...
وَتَأْوِيلُ الْكَلَامِ: بَلَى مَنْ أَخْلَصَ طَاعَتَهُ لِلَّهِ وَعِبَادَتَهُ لَهُ مُحْسِنًا فِي فِعْلِهِ ذَلِكَ.
Genau wie auch Zaid ibnu 'Amr ibni Nufail sagte86:
„Ich habe mein Gesicht dem hingegeben87, dem sich
auch die reines Wasser tragenden Wolken ergaben.“
Er meinte damit: „Ich habe mich dem unterworfen, dem sich auch die Wolken unterworfen und gefügt haben.“
Allah, gepriesen sei Er, erwähnt in diesem Vers speziell das Gesicht, weil es das Edelste, Wichtigste und Schützenswerteste am ganzen Körper ist.
Wenn der Mensch also jemandem sein Gesicht hingibt88, dann ist es klar, dass der Rest seines Körpers sich erst recht hingibt. Deshalb gehörte es zum Sprachgebrauch der Araber, durch die Erwähnung des Gesichts auf den ganzen Körper hinzuweisen …
Die Bedeutung des Verses ist somit wie folgt: Doch! Derjenige, der seinen Gehorsam und seine Anbetung völlig rein macht für Allah, und dies auf beste Weise durchführt.
Fußnoten
- Siehe dazu Tafsir at-Tabari bei der Erklärung der beiden erwähnten Verse. ↩
- In einem Gedicht, das in Kürze genauer erwähnt wird. ↩
- Im arabischen Originaltext steht für das Wort „hingeben“, wie auch für das Wort „ergaben“, das Verb aslama. In dem Gedicht wird also das Prinzip des Islam, die Hingabe zum Schöpfer, ausdrücklich erwähnt. ↩
Dies kann auch folgendermaßen gelesen werden: „Wenn sich das Gesicht also jemandem unterwirft ...“.
Allgemein soll hier darauf hingewiesen werden, dass die wortwörtliche Übersetzung der Texte von at-Tabari im Grunde undurchführbar ist. Es handelt sich um sehr altes Arabisch und speziell at-Tabari hatte die Angewohnheit in sehr stark verschachtelten Sätzen zu sprechen. Dies abgesehen davon, dass eine tatsächlich wortwörtliche Übersetzung zwischen zwei Sprachen ohnehin generell nicht durchführbar ist. ↩