Der Islam ist die Hanifiyyah - Ein Polytheist ist kein Hanif
Wie zuvor schon erwähnt wurde, bekannten sich die sogenannten hunafa' zur monotheistischen Lehre Abrahams, weshalb der Islam auch als „al-Hanifiyyah“ bekannt ist.
Einer dieser hunafa' wurde bereits erwähnt. Es handelt sich dabei um Zaid ibnu 'Amr ibni Nufail, welcher seine Überzeugung auch in Gedichten und bei diversen Gelegenheiten verkündete.
In mehreren Überlieferungen wird berichtet, wie Zaid ibnu 'Amr auf der Suche nach der wahren Religion auszog und auf seinem Weg einen jüdischen und einen christlichen Priester antraf. Als er jeden von ihnen nach der wahrhaften Religion fragte, verwiesen ihn beide letztlich auf die Hanifiyyah, worauf Zaid fragte:
قَالَ زَيْدٌ وَمَا الْحَنِيفُ قَالَ دِينُ إِبْرَاهِيمَ لَمْ يَكُنْ يَهُودِيًّا وَلَا نَصْرَانِيًّا وَلَا يَعْبُدُ إِلَّا اللَّهَ
Zaid sagte: „Und was ist ein Hanif?“ Er [der jüdische bzw. christliche Priester] sagte: „Der Din von Ibrahim. Er war weder Jude noch Christ und betete niemanden an als Allah.“112
Der Hanif ist also jemand, der nur Allah anbetet, im Gegensatz zum Mushrik. Einen „Hanif Mushrik“ kann es also genauso wenig geben, wie einen „Muslim Mushrik“ oder „mukhlis Mushrik“.
In zahlreichen Versen im Koran wird eindeutig gezeigt, dass der Islam die Hanifiyyah, und jeder Muslim ein Hanif ist:
﴿وَمَا أُمِرُوا إِلَّا لِيَعْبُدُوا اللَّهَ مُخْلِصِينَ لَهُ الدِّينَ حُنَفَاءَ وَيُقِيمُوا الصَّلَاةَ وَيُؤْتُوا الزَّكَاةَ وَذَلِكَ دِينُ الْقَيِّمَةِ﴾
Und es wurde ihnen nichts anderes aufgetragen als Allah anzubeten, ihren Din Ihm gegenüber reinigend, als hunafa', und das Gebet einzurichten und die Zakat zu geben. Und dies ist der geradlinige, aufrechte Din.
(Sure al-Bayyinah, 98:5)
Erläuterung dieses Verses:
- Es wird in diesem Vers ausdrücklich gesagt, dass den Menschen nichts anderes aufgetragen wurde, als den Monotheismus in der Anbetung zu erbringen.
Zu Beginn dieses Buches wurde in einem eigenen Kapitel bereits ausgeführt, dass die hier erwähnten, vom Islam vorgeschriebenen Handlungen des Gebets und der Zakat auf dem Tauhid aufbauen und ohne diesem nicht bestehen können.
Würde jemand, der den Tauhid nicht erfüllt, ein Gebet nur für Allah verrichten, wäre dieses Gebet im Konsens der Muslime bei Allah nicht angenommen. Dies verdeutlicht sich auch durch die Tatsache, dass die vorislamischen Götzendiener sich rein äußerlich zur Religion Abrahams bekannten und einige 'Ibadat sogar nur für Allah verrichteten, in diesen speziellen Taten also „mukhlisina“113 waren. Dieser Umstand machte sie aber nicht zu Muslimen.
- Hiernach wird im selben Vers ein weiteres Mal bekräftigt, was dies bedeutet, nämlich: „Allah anzubeten“ also „ihren Din Ihm gegenüber reinigend“. Hier wird das Wort „mukhlisina“ verwendet, womit sich ein weiteres Mal zeigt, dass der Islam der Ikhlas ist, und jeder Muslim ein mukhlis sein muss.
- Danach folgt eine weitere Bekräftigung dieser Bedeutung. „Allah anzubeten, ihren Din Ihm gegenüber reinigend“ also „als hunafa'“.
- Dann wird mit der Feststellung abgeschlossen, dass es sich bei den eben geschilderten Dingen um „die geradlinige, aufrechte Religion (Din)“ handelt.
Auch dieser Koran-Vers widerspricht also mehrfach der Vorstellung eines Muslims, der in polytheistischer Art neben dem einen Schöpfer andere anbetet.
In einem weiteren Vers heißt es:
﴿مَا كَانَ إِبْرَاهِيمُ يَهُودِيًّا وَلَا نَصْرَانِيًّا وَلَكِنْ كَانَ حَنِيفًا مُسْلِمًا وَمَا كَانَ مِنَ الْمُشْرِكِينَ﴾
Ibrahim war kein Jude und kein Christ, sondern er war ein Hanif, ein Muslim, und er war nicht von den Mushrikin.
(Sure Ali 'Imran, 3:67)
Auch in diesem Vers findet sich das oben Gesagte exakt wieder. Wiederum werden hier drei Dinge erwähnt, wobei jeder einzelne Begriff den jeweils anderen erklärt und bekräftigt. „Muslim“, „Hanif“ und „nicht von den Mushrikin" sind drei gleichbedeutende Dinge.