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Die zunehmende Veränderung religiöser Lehren im Allgemeinen

Einführung · Volltext-Kapitel aus dem Buch Die Lehre des Monotheismus · Als PDF lesen

Die im vorherigen Kapitel beschriebene Aufspaltung in verschiedene Gruppen ereilte also nicht nur die islamische Gemeinschaft. Wie auch im Hadith der firaq ausdrücklich erwähnt wurde, handelt es sich dabei um ein allgemeines Phänomen, das generell alle tradierten religiösen Lehren betrifft.

Ebenso ist diese Aufspaltung – grundlegend auch in Übereinstimmung mit Schilderungen hierzu in Thora und Evangelium – im Koran erwähnt. Nach dem Tod ihrer jeweiligen Propheten عليهم السلام begannen sich die Gemeinschaften in der Religion zunehmend zu zersplittern.

Gemäß dem islamischen Verständnis befindet sich die prophetische Lehre des Monotheismus seit dem Menschenvater Adam عليه السلام unter den Menschen. Jedoch geriet in jeder prophetischen Gemeinschaft durch die beschriebene Zerrüttung in der Religion auch die Lehre des wahren Monotheismus nach und nach in Vergessenheit, bis der eine Schöpfer sie immer wieder durch einen neuen Gesandten erneuerte.

Wer die Geschichte der abrahamitischen Religionen erforscht hat, weiß unweigerlich, dass sie unter dieser starken Zersplitterung litten. Nur jemand, der dieser Religionen und ihrer Geschichte nicht kundig ist, würde diese Tatsache bestreiten.

Als Beispiel dafür dient die Geschichte des Christentums, dessen Anhänger sich in diversen tragenden Angelegenheiten der Religion schon bald in der Frühzeit des Christentums stark unterschieden. Diese Unterschiede führten schließlich zu Feindschaft, Gewalt und Verbannung.

So teilten sich die Christen in der Frage, ob Jesus nun ein Prophet, Gott, Gottes Sohn oder ein menschliches Wesen mit dem speziellen göttlichen Funken sei. Aus diesen Fragen ergaben sich natürlich zahlreiche weitere Probleme. So führten Fragen, wie z. B. ob der Wille Gottes und der Wille von Jesus ein und dasselbe sei oder nicht, zu starken Meinungsunterschieden mit entsprechend schweren Folgen.

Wie wir gesehen haben, sollte auch die islamische Gemeinschaft von der starken Zerrüttung in der Glaubenslehre nicht verschont bleiben. Da die islamischen Quelltexte sehr authentisch überliefert wurden, kam es dabei jedoch nicht zu einer bedeutenden und grundlegenden Veränderung der Texte an sich. Vielmehr geriet der eigentliche Inhalt und die tatsächliche Aussage dieser Texte bei vielen Anhängern des Islam mehr und mehr in Vergessenheit.

Dies führte, wie bereits gezeigt wurde, schon bald dazu, dass Leute, die sich an sich dem Islam zuzählten, Glaubensinhalte vertraten, die keinesfalls mit der allgemeinen Lehre der Propheten عليهم السلام zu vereinbaren sind.

Auf diese Weise verfielen über die Jahrhunderte nicht wenige Anhänger des Islam letztlich auch mehr und mehr in die polytheistische Beigesellung, welche das Gegenteil des reinen Monotheismus darstellt. Viele Aussagen, Handlungs- und Denkweisen, die aus Sicht der frühislamischen Theologie als Polytheismus klassifiziert werden, sind auch heute nicht selten bei Einzelpersonen oder Gruppierungen vorzufinden, die eigentlich meinen, islamisch zu sein.

Trotz der Veränderung der Lehre betrachtet der Islam die eigene ursprüngliche Lehre und ebenso die ursprünglichen Lehren von Musa/Moses عليه السلام und 'Isa/Jesus عليه السلام als die wahre Lehre des einen Schöpfers. Für einen Muslim darf es grundsätzlich keinen Zweifel daran geben, dass es sich auch bei den beiden Letztgenannten um höchst ehrenwerte Propheten handelt, die den einen tatsächlichen Monotheismus in aller Deutlichkeit vermittelten.

Die Frage, die sich in weiterer Folge also für den Juden, den Christen und den Muslim stellen muss, ist: Was war nun die tatsächliche, ursprüngliche Lehre von Moses عليه السلام , Jesus عليه السلام und Muhammad صلى الله عليه وسلم ?

Für jeden Anhänger dieser Religionen kann die logische Konsequenz dieser Frage nur eine Rückkehr zu den frühesten Quellen bedeuten.

Ebendiese Rückkehr zu den islamischen Quellen ist deshalb der Kern und die Zielsetzung des vorliegenden Buches.