Überlieferungsweg von Abu l-'Aliyah
فَأَمَّا مَا ذَكَرْنَا عَنْ أَبِي الْعَالِيَةِ فِي سُورَةِ الْبَقَرَةِ بِلَا إِسْنَادٍ فَهُوَ مَا:
حَدَّثَنَا عِصَامُ بْنُ رَوَّادٍ الْعَسْقَلانِيُّ ثنا آدَمُ عَنْ أَبِي جَعْفَرٍ الرَّازِيِّ عَنِ الرَّبِيعِ بْنِ أَنَسٍ عَنْ أَبِي الْعَالِيَةِ
Was also das betrifft, was wir von Abu l-'Aliyah in Sure al-Baqarah ohne Überlieferungskette erwähnen, so ist es:
Was uns 'Isam ibnu Rawwad al-'Asqalani erzählte, es erzählte uns Adam von Abu Ja'far ar-Razi von ar-Rabi' ibnu Anas von Abu l-'Aliyah.
Dieser Isnad führt also zu Abu l-'Aliyah, welcher einer der frühen und bekannten Gelehrten des Tafsir war. Von ihm überlieferten die Gelehrten des Tafsir zahlreich, so auch Ibnu Abi Hatim in seinem Tafsir.
Am Anfang der Überlieferungskette steht „haddathana“. „Haddathana“ und „akhbarana“, die beide so viel bedeuten wie „es berichtete uns“ bzw. „es erzählte uns“, sind die gängigsten Formen in der Hadith-Übermittlung. Beide Formen sind als sehr stark zu bewerten, da sie aussagen, dass direkt von dem Gelehrten gehört und überliefert wurde.
In diesem Fall hat Ibnu Abi Hatim die Überlieferung direkt von 'Isam ibnu Rawwad al-'Asqalani gehört. Dies bezieht sich also, wie Ibnu Abi Hatim sagte, auf alle Überlieferungen, die er (wohl im ursprünglichen Werk) in Sure al-Baqarah von Abu l-'Aliyah ohne Kette überlieferte. Auch bei der nächsten Person im Isnad wird dieselbe Form gebraucht, wobei hier nur „thana“ steht, was eine gängige Abkürzung von „haddathana“ ist.
Nachfolgend wird allerdings die Form „'an“ (von) gebraucht, welche vom Standpunkt der Hadith-Wissenschaft, um Einiges schwächer als die bereits erwähnten Formen ist. „'An“ sagt nämlich nicht zwingend aus, dass der Überlieferer die Aussage direkt von der Person gehört hat.
Dies stellt kein Problem dar, wenn von einem Überlieferer bekannt ist, dass er auch in so einem Fall direkt überlieferte. Von einigen Personen war es jedoch bekannt, dass sie teilweise nicht direkt überlieferten, sondern nur das weitergaben, was ihnen von einer weiteren Person übermittelt wurde. In diesem Fall verwendeten sie dann den Ausdruck „'an“.
Diese als „Tadlis“ bezeichnete Vorgehensweise, bringt also eine gewisse Unsicherheit in manche Überlieferungen, die mit dem Ausdruck 'an formuliert wurden. Aufgrund der Wichtigkeit dieses Umstandes wurde diese Form der Überlieferung als sogenannte „'an'anah“ bekannt. Eine Person die auf diese Weise vorgeht, also einen Überlieferer wegfallen lässt, wurde als „Mudallis“ bezeichnet.
Bei dem hier Gesagten ist jedoch all jenes zu bedenken, das zuvor über die spezielle Bewertung von Überlieferungen im Bereich des Tafsir und anderer Wissensgebiete gesagt wurde. Die Zielsetzung dieser hier erwähnten Hinweise ist lediglich, dem Leser einen Eindruck zur Hadith-Überlieferung zu vermitteln.
Der Gelehrte, von dem der Verfasser direkt überliefert, der also ganz am Anfang der Überlieferungskette steht49, wird im Allgemeinen als „sein Shaikh“ in Bezug auf diese Überlieferung bezeichnet.
Bei diesen Shuyukh eines Gelehrten handelte es sich also um seine Lehrer, von denen er Hadithe überlieferte und häufig auch weiteres Wissen von ihnen bezog. Vor allem wird dies deutlich, wenn der Gelehrte oft von diesem Shaikh überlieferte. Nicht selten kam dies dadurch zustande, dass der Gelehrte diesen Lehrer über längere Zeit begleitete.
Es sei hier aber auch an die Nusakh des Tafsir erinnert, also die Schriftsammlungen, welche von den Gelehrten an ihre Schüler weitergegeben wurden. Auch bei diesen ist jedoch klar, dass so ein Gelehrter nur an eine für ihn vertrauenswürdige Person weitergab und entsprechende Kenntnis von diesem Schüler hatte. Es handelte sich hierbei also keinesfalls um eine gewissenlose Weitergabe der Schriften an beliebige Personen. Eine solche Annahme wäre absurd und würde der Geschichte der Hadith-Überlieferung klar widersprechen.
Aus der Formulierung „haddathana“ (erzählte uns) lässt sich verstehen, dass der Verfasser die Überlieferung gemeinsam mit anderen Personen von diesem Shaikh hörte, also in einer Lehrsitzung. Man könnte einwenden, dass Ibnu Abi Hatim bereits an vorherigen Stellen von sich selbst in der Mehrzahl sprach. Das ist jedoch an dieser Stelle nicht anzunehmen, da die Gelehrten bei Überlieferungsketten zwischen solchen Formulierungen sehr genau unterschieden, um Fehler zu vermeiden. Dies zeigt sich auch daran, dass Ibnu Abi Hatim an anderer Stelle „haddathani“ (es erzählte mir) verwendet, was dann ebenso wörtlich zu verstehen ist.
Ebenso wie Ibnu Abi Hatim den Hadith direkt von seinem Shaikh, 'Isam ibnu Rawwad, hörte, übermittelte ihn dieser auch von seinem Shaikh, Adam ibnu Abi Iyas, wobei auch er diese Überlieferungen direkt und mit anderen gemeinsam aufnahm.
Adam überlieferte von Abu Ja'far ar-Razi, und dieser dann von ar-Rabi' ibnu Anas. Ar-Rabi' war selbst ein Gelehrter, von dem Ibnu Abi Hatim auch seine eigenen Tafsir-Aussagen überlieferte. Dies zeigt sich konkret in der übernächsten Überlieferungskette.
Aus dem hier Erwähnten lässt sich bereits erkennen, dass es sich bei den genannten Personen, wie Abu l-'Aliyah und ar-Rabi' ibnu Anas, sicherlich um bekannte Gelehrte und Überlieferer des Tafsir handeln muss.
Wir sehen, dass sich in der Überlieferungskette zwischen Ibnu Abi Hatim und Abu l-'Aliyah vier Personen befinden. Somit handelt es sich um einen sogenannten „Isnad Ruba'i“, also eine vierstellige Überlieferungskette. Diese Überlieferung hat also eine relativ kurze Kette.
Je kürzer eine Überlieferungskette, umso hochwertiger ist sie im Allgemeinen50. Dies sagt jedoch nicht zwingend etwas über die Stärke der Überlieferung aus, ein Hadith mit kurzer Überlieferungskette muss also im Einzelfall nicht unbedingt stärker sein, als einer, mit einer längeren Kette. Generell gilt allerdings diese Regel, da die Kürze im Allgemeinen Fehler reduziert und in manchen Fällen auch gewisse Schwächen kompensieren kann.
Eine vierteilige Überlieferungskette ist – in Bezug auf den Verfasser – ziemlich kurz, wenn man bedenkt, dass Ibnu Abi Hatim relativ spät gelebt hat. Das dies zustande kam, erklärt sich daraus, dass nicht direkt vom Propheten صلى الله عليه وسلم überliefert wurde, sondern von Abu l-'Aliyah, einem Tabi'i.