Die Furcht der Gelehrten davor, ohne Wissen zu sprechen
Es scheint in Mode gekommen zu sein, dass jeder noch so unwissende seinen Mund zu Fragestellungen des Islam aufmacht.
Wenn dann jemand mit Gottesfurcht immer wieder schweigt, wenn er gefragt wird und die Antwort nicht weiß, kann es schnell passieren, dass er als nicht ausreichend qualifiziert abgeschrieben wird und man sich dann wieder den Hobbymuftis zuwendet, die ja auf alles eine vermeintliche Antwort haben.
Dabei ist das Eingeständnis, etwas nicht zu wissen, ein Zeichen von Taqwa und Charakterstärke.
Das Reden ohne Wissen ist hingegen ein Zeichen der Verachtung für diesen Din sowie dafür, dass man den Din missbraucht, um eigene niedere Interessen zu verfolgen.
Im Buch „Jami'u Bayani l-'Ilmi wa Fadlihi“ wird folgende Aussage von Abdu r-Rahman ibnu Mahdi überliefert:
كُنَّا عِنْدَ مَالِكِ بْنِ أَنَسٍ، فَجَاءَهُ رَجُلٌ فَقَالَ: يَا أَبَا عَبْدِ اللهِ جِئْتُكَ مِنْ مَسِيرَةِ سِتَّةِ أَشْهُرٍ حَمَّلَنِي أَهْلُ بَلَدِي مَسْأَلَةً أَسْأَلُكَ عَنْهَا، قَالَ: فَسَلْ فَسَأَلَهُ الرَّجُلُ عَنْ مَسْأَلَةٍ فَقَالَ «لَا أُحْسِنُهَا» قَالَ: فَبُهِتَ الرَّجُلُ كَأَنَّهُ قَدْ جَاءَ إِلَى مَنْ يَعْلَمُ كُلَّ شَيْءٍ، قَالَ فَقَالَ: فَأَيُّ شَيْءٍ أَقُولُ لِأَهْلِ بَلَدِي إِذَا رَجَعْتُ لَهُمْ؟ قَالَ: «تَقُولُ لَهُمْ: قَالَ مَالِكٌ: لَا أُحْسِنُ»
„Wir waren bei Malik ibnu Anas. Da kam ein Mann zu ihm und sagte: O Abu Abdillah! Ich komme zu dir und habe einen Weg von sechs Monaten zurückgelegt. Die Leute meines Landes haben mir eine Angelegenheit mit auf den Weg gegeben, über die ich dich fragen soll.
Er [Malik ibnu Anas] sagte: ‚So frag.‘. Darauf fragte ihn der Mann über eine Angelegenheit.
Er [Malik ibnu Anas] sagte (darauf): ‚Ich kann sie nicht beantworten [bzw.: Ich weiß darüber nicht gut Bescheid.]‘.
Darauf war der Mann verblüfft, so als ob er zu jemandem kam, der alles weiß. Darauf sagte er: ‚Was soll ich den Leuten meines Ortes sagen, wenn ich zu ihnen zurückkehre?‘
Er sagte: ‚Du sagst ihnen: „Malik hat gesagt: Ich weiß (darüber) nicht gut Bescheid.“‘“