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Der Muslim in Zeiten der Selbstinszenierung

Hauptteil · Volltext-Kapitel aus dem Buch Ratschläge der Salaf · Als PDF lesen

Heute zählt man oft nur etwas, wenn man sich optimal verkaufen und inszenieren kann. Der Schein ist alles - das Sein ist nichts.

In Hochglanzfotos und dem passenden Filter werden die Highlights des sonst eher tristen Lebens der Welt präsentiert, was den jeweiligen Freunden suggeriert, das Leben der anderen bestehe aus einem nie endenden Bali-Urlaub, einem fortwährenden Dubai-Aufenthalt oder einem ständigen Segeltrip vor den Malediven.

Nicht selten sorgt das für Depressionen, da man selber nicht so ein Leben führt (das natürlich auch keiner der Freunde führt).

Zu dieser Selbstinszenierung gehört ebenso, jede noch so unqualifizierte Ansicht/Widerlegung/Positionierung mit einem entsprechenden Hashtag in die Welt hinauszubrüllen - eine Welt, von der man glaubt, sie hätte beinahe schon händeringend auf genau diesen einen letzten Post gewartet.

Diese Selbstdarstellung ist in Wirklichkeit ein eigener Din - der Ich-Din, in dem jeder sein eigener Ilah ist.

Leider sind auch viele Muslime nicht unbeeinflusst von diesem Phänomen. Wenn sie doch nur wüssten, dass der Islam völlig anders und frei von solchen Selbstdarstellungen ist.

Ibnu Abi d-Dunya erwähnt in seinem Werk „as-Samtu wa Adabu l-Lisan“, dass Muhammad ibnu 'Ajlan sagte:

إِنَّمَا الْكَلَامُ أَرْبَعَةٌ: أَنْ تَذْكُرَ اللهَ، وَأَنْ تَقْرَأَ الْقُرْآنَ، وَتَسْأَلَ عَنْ عِلْمٍ فَتُخْبِرَ بِهِ، أَوْ تَكَلَّمَ فِيمَا يَعْنِيكَ مِنْ أَمْرِ دُنْيَاكَ

„Die (gute) Rede besteht nur aus vieren:

- dass du Allahs gedenkst

- und dass du den Qur'an liest

- und dass du nach Wissen fragst und es (anderen) mitteilst

- und dass du über das aus deinem weltlichen Leben sprichst, was dich betrifft (was dich etwas angeht)“

Wenn man darüber einmal tief nachdenkt, merkt man, dass das ein völlig anderes Verständnis dieses Lebens ist. Eine ganz andere Position zu dieser Dunya.

Ibnu Abi d-Dunya erwähnt im selben Werk, dass Yahya ibnu Abi Kathir sagte:

خَصْلَتَانِ إِذَا رَأَيْتَهُمَا فِي الرَّجُلِ، فَاعْلَمْ أَنَّ مَا وَرَاءَهُمَا خَيْرٌ مِنْهُمَا، إِذَا كَانَ حَابِسًا لِلِسَانِهِ، يُحَافِظُ عَلَى صَلَاتِهِ

„Es gibt zwei Eigenschaften, wenn du sie bei einem Mann siehst, dann wisse, dass sich hinter ihnen beiden etwas noch Besseres befindet:

Wenn er seine Zunge in Zaum hält und wenn er sein Gebet einhält.“

Seine Zunge in Zaum zu halten, ist das genaue Gegenstück dazu, alles in die Welt hinauszuposaunen, was einem gerade in den Sinn kommt. Sein Gebet einzuhalten bedeutet zudem, auf seine Beziehungen zu Allah achtzugeben und sich eben nicht zum Ilah zu machen.

Möge Allah die Muslime den Wert dieses edlen Dins begreifen lassen und ihnen diese Welt aus Lug, Trug und Schein so zeigen, wie sie ist. Amin.