Ohne Gottesfurcht kein Wissen – Wer keine reine Absicht hat, dem nützt das Wissen nichts
Ibnu Battah überliefert in al-Ibanatu-l-kubra:
كَتَبَ عُمَرُ بْنُ الْخَطَّابِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ إِلَى أَبِي مُوسَى الْأَشْعَرِيِّ رَحِمَهُ اللَّهُ: إِنَّ الْفِقْهَ لَيْسَ بِكَثْرَةِ السَّرْدِ وَسَعَةِ الْهَذْرِ وَكَثْرَةِ الرِّوَايَةِ، وَإِنَّمَا الْفِقْهُ خَشْيَةُ اللَّهِ عَزَّ وَجَلَّ.
Es schrieb 'Umar ibnu-l-Khattab رضي الله عنه zu Abu Musa al-Ash'ari رضي الله عنه:
“Wahrlich, das Verständnis und Wissen in der Religion (al-Fiqhu) besteht nicht im vielen Zitieren, im ausgedehnten unnötigen Gerede und in der häufigen Überlieferung. Der Fiqh ist nichts Anderes als Gottesfurcht vor Allah جل جلاله .“
- Die Gottesfurcht ist die Grundlage des Wissens. Sie ist das, was das Wissen eigentlich ausmacht!
- Wer die reine Absicht nicht mitbringt, dessen Wissen ist nicht nur nutzlos, sondern es schadet ihm im Diesseits und noch mehr im Jenseits.
- Viel über eine Sache von sich selbst aus zu reden, bedeutet, wenig zu wissen.
- Viele Texte auswendig zu lernen, ohne sie zu verstehen, ist nicht das eigentliche Wissen.
- Wer Texte aufrichtig und gewissenhaft lernt und weitergibt, der ist zumindest ein gutes Medium. Er transportiert das Wissen. Unter der Voraussetzung, dass er nicht Dinge über diese Texte behauptet, die er gar nicht weiß. So jemand schützt sich also umso mehr durch Schweigen.
Aber je mehr er von der Bedeutung dieser gelernten Texte versteht, umso mehr Wissen hat er über diese Texte.
- Manche frühe Gelehrte hat offensichtlich diese Angst, etwas Falsches zu sagen, derart bewegt, dass sie in umfassenden Werken kein Wort von sich sagten, sondern nur überlieferten. So z. B. Ibnu Abi Hatim رحمه الله in seinem Tafsir.
- Wenn solche Gelehrte so vorgegangen sind, wobei sie den studierten Menschen der heutigen Zeit etliche Male überlegen waren, wie kommt dann ein Anfänger im Wissen auf die Idee, diese Angst nicht haben zu müssen?
Ein Anfänger im Studium des islamischen Wissens ist gut beraten, sich zuerst mit dem Lernen zu beschäftigen und nicht mit der Weitergabe des Wissens, denn dies ist eine fortgeschrittene Tätigkeit, worauf die Gelehrten auch mehrfach hingewiesen haben. Jedoch sieht man in der Realität das genaue Gegenteil. Viele von denen, die nur wenige Worte des Wissens vernommen haben, fangen sofort an, diese auf eigenen Webseiten oder in sonstigen Medien wiederzugeben – meist auch mit eigenen Erklärungen.
Wenn so jemand das unbedingte Bedürfnis hat, islamisches Wissen zu verbreiten, dann kann er im Zuge seines eigenen Lernens also die bloßen Überlieferungen weitergeben. Er tut sehr gut daran, darüber nicht hinauszugehen, wenn er Katastrophen vermeiden will.
Das Problem bei den meisten verblendeten Personen ist jedoch, dass sie all diese hier erwähnten Lehren nicht hören wollen – zumindest nicht für sich selbst. Auch wenn sie dann oft anderen gerne „gutgemeinte“ Ratschläge erteilen!
Hinweis: Wissen ist Überlieferung und Verständnis – das eine kommt ohne das andere nicht aus
Manche unwissende Menschen, die die Texte nicht gut kennen und erst recht nicht fähig sind, sie auswendig zu lernen, also den tatsächlichen Talabu-l-'Ilm vorzunehmen, versuchen, die Bedeutung des Auswendiglernens anhand dieser und ähnlicher Überlieferungen herunterzuspielen.
Manche tun bei solchen Überlieferungen so, als hätten die Salaf ohnehin nur auf das Verständnis geachtet, der Überlieferung bzw. dem Auswendiglernen davon aber nicht viel Beachtung geschenkt.
Das ist natürlich Unsinn. Die Bedeutung ist vielmehr folgendermaßen:
Natürlich besteht das Wissen – sehr wohl – in der Vielzahl der Überlieferungen, diese zu zitieren und sie auch auswendig zu lernen, denn sie sind ja die Grundlage des überlieferten Wissens! … aber eben nur dann, wenn dies auch mit Verständnis verbunden ist und zudem mit der richtigen Absicht und Gottesfurcht geschieht, denn andernfalls ist es wertlos und zudem auch schädlich.
Deshalb finden wir in einem Gedicht, das von ash-Shafi'i رحمه الله überliefert wird, auch den Hinweis, dass das tatsächliche Wissen über den Islam nur durch die Überlieferungen gestützt sein kann:
كلُّ العُلُومِ سِوى القُرْآنِ مَشْغَلَة ٌ إلاَّ الحَديث وَعِلْم الفِقْهِ في الدِّينِ
العلمُ ما قد كانَ فيه: حدّثنا وَمَا سِوى ذَاكَ وَسْوَاسُ الشَّيَاطِينِ
Alles Wissen abgesehen vom Qur’an ist eine Ablenkung,
außer der Hadith und das Wissen über den Fiqh6 im Din
Das Wissen ist nur „es berichtete (bzw. überlieferte) uns …“
Und alles andere ist die Einflüsterung der Satane
Nun kann man sich den Kopf darüber zerbrechen, was schlimmer ist:
- Jemand, der gar nicht erst mit den Texten argumentiert, weil er sie nicht kennt, aber trotzdem über den Din redet,
- oder jemand, der Texte anführt, diese aber nicht versteht, darüber völligen Unsinn redet und ihnen wegen seiner schlechten Absicht und Unehrlichkeit ständig widerspricht.
Übrigens: Noch merkwürdiger als jemand, der Texte auswendiglernt, ohne sie zu verstehen und umzusetzen, ist jemand, der nur die Copy/Paste-Funktion nutzt, um dadurch den Imam zu spielen.
Auf solche Fälle angewendet bedeutet das obige Zitat aus 'Umar ibnu-l-Khattabs Schreiben:
Wissen und Verständnis, welche nämlich nur auf Gottesfurcht und Aufrichtigkeit gebaut sein können, sind genau das, was solche Leute nicht an den Tag legen.
Fußnoten
- Al-Fiqhu bedeutet Verständnis, beschreibt aber auch die Wissenschaft des islamischen Rechts. ↩