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Die Nachlässigkeit vieler Muslime gegenüber notleidenden Glaubensgeschwistern – Gefangenschaft – Unrecht – Schulden – Die Probleme der Da'wah

Volltext der Schrift Die Nachlässigkeit vieler Muslime gegenüber notleidenden Glaubensgeschwistern – Gefangenschaft – Unrecht – Schulden – Die Probleme der Da'wah

بسم الله والحمد لله والصلاة والسلام على رسول الله وعلى آله وصحبه ومن والاه

Wenn der Muslim dem nicht-muslimischen Kriegsgefangenen von seinem liebsten und besten Essen geben soll – wie im Beitrag „Die gute Behandlung von Kriegsgefangenen im Islam“ deutlich gezeigt wurde – dann fragt man sich, wie gewaltig der Haqq von Muslimen, die von Nicht-Muslimen zu Unrecht gefangen genommen oder verfolgt werden, gegenüber der gesamten islamischen Gemeinschaft sein muss!

Diejenigen Muslime hingegen, die noch nie derartiges erlebt haben, haben vom Gefängnis und ähnlichen Erfahrungen eine Vorstellung wie Kleinkinder. Nicht-Muslime sagen nicht zum Spaß, dass die Freiheit das höchste Gut nach dem Leben ist - auch wenn wir Muslime den Iman als wertvoller betrachten.

Lasst euch gesagt sein: Wer das Gefängnis ODER den Verlust eines Ehepartners nach langer Zeit ODER eine schwere Erkrankung wie Krebs oder ähnliches ODER ein Leben in Flucht vor einem ungerechten Tyrannen nicht erlebt hat, der kann diese Dinge NIEMALS nachvollziehen oder nachempfinden.

Mit solchen Dingen sind unzählige Gefühle verbunden, die im Herzen eines Menschen einfach nicht existieren in dieser Form, solange er die Erfahrungen nicht gemacht hat. Ganz egal, wie viele Geschichten er darüber gehört oder gesehen hat und wie sehr er/sie glaubt, es zu verstehen.

Deshalb sollte hier gesagt werden - auch wenn es die meisten trotzdem nicht verstehen werden:

Ein Mensch, der (zu Unrecht) ins Gefängnis kommt und/oder (zu Unrecht) verfolgt wird, dessen Leben bricht mit einem Mal völlig zusammen und davon erholt man sich erst nach langer Zeit, wenn überhaupt. Und viele Folgen davon bleiben, bis man ins Grab geht.

Es fallen unglaubliche Kosten dadurch an. Wenn so jemand in der Zeit des Gefängnisses und danach vielleicht 50- oder 60-tausend Euro ausgeben muss, nur wegen dieser Dinge und ihrer Folgen, dann ist das überhaupt nicht ungewöhnlich. Und wenn so jemand 40-, 50-tausend Euro Schulden aufnehmen muss und diese dann über viele Jahre abarbeiten muss, dann ist auch das überhaupt nichts Ungewöhnliches.

Die Allgemeinheit der Muslime - GANZ BESONDERS in westeuropäischen Ländern wie Deutschland - lebt in Bezug auf solche Dinge in einer kindhaften Märchenwelt. Sie verstehen nichts davon, bis sie selbst durch ein oder mehrere solche Ereignisse aus dem Leben gerissen werden. Dann werden sie ganz plötzlich erwachsen.

Die oben erwähnten Dinge überlegen sie sich nicht, ganz egal was ein anderer Mensch von diesen genannten Dingen erlebt hat, selbst wenn ihm etliche solche Dinge widerfahren.

Wenn es dann noch eine Person ist, die ihnen Wissen vermittelt, für sie Bücher und Schriften schreibt, Vorträge gibt und alle möglichen Nebenarbeiten macht, dann denken die meisten keinen Moment an die Probleme, die damit verbunden sind und fragen nur: „Wann kommt endlich das nächste Buch, subhanallah! Wann trägt dieser Mensch endlich seine Verantwortung!“. Manche verstehen einfach nichts und andere haben eine gewisse Frechheit, wobei das Maß davon scheinbar nach oben offen ist.

Die Allgemeinheit der Menschen hat gegenüber denjenigen, die ihnen Wissen vermitteln und sich dafür abmühen, immer schon ein sehr übles Verhältnis gehabt. Ausnahmen bestätigten die Regel. Es konnte sein, und solche Dinge werden auch tatsächlich in den Büchern erwähnt, dass ein Gelehrter an starkem Hunger leidet, während keiner überhaupt davon weiß und die Leute nur noch mehr von ihm verlangen oder einfordern. Und es ist umso schlimmer, je schlechter die Zeit und die Menschen sind.

Es kann sein, dass jemand krank ist und in seinem Blut und Erbrochenen liegt, aber keiner weiß davon und manche Leute denken sich und sagen sogar tatsächlich: „Wird schon nicht so schlimm sein.“, oder z.B.: „Na und. Nicht nur diese Leute haben Probleme. Wir haben auch Probleme.“, wie niederträchtig Menschen doch sein können … bis sie dann selbst von solchen Dingen kosten.

Es kann sein, dass die Menschen von einer Person ständig einfordern, aber diese Person über fünf oder zehn Jahre nicht zum Arzt gehen kann aus Geldmangel und anderen Gründen, wobei Ärzte schon vor langem dringend zur Behandlung geraten haben.

Diese und viele andere Dinge können vorkommen, während die Allgemeinheit der Muslime nichts lernt, nichts unterstützt, aber gleichzeitig glauben viele derartige Leute sie wären die großen „Mujahidin“ für den Din Allahs, weil sie hier und da jemanden in einem Kommentar auf Facebook beschimpfen und damit den Din des Islam in der Regel noch schlechter aussehen lassen.

Wer nichts tun kann, der sollte wenigstens Du'a' machen. Und wer glaubt, dass jemand im Dalal ist, wobei er selbst und seine Familie von diesem Menschen teilweise die wichtigsten Dinge im Leben bekommen haben, nämlich grundlegendes Wissen über den Din, dann sollte er wenigstens so ehrlich sein und Du'a' für seine Rechtleitung machen, حسبنا الله ونعم الوكيل.

Manche Leute (die sich als Muslime und Muwahhidun bezeichnen!) sind so krank, dass sie zu anderen sagen (realer Fall!), sie würden so viel Geld monatlich einnehmen, dass sie einfach nicht mehr wissen, wohin damit. Sie hätten sich schon alles gekauft, auch alle möglichen Luxus-Güter, ein teures Auto usw., trotzdem wird das Geld mehr. Währenddessen leidet die Da'wah jeden Tag und jede Nacht an Geldmangel, aber von solchen „Muwahhidin“ hat man nie irgendeine Unterstützung gesehen.

Andere suchen geradezu krankhaft nach irgendeiner Möglichkeit, nicht an die Person zu spenden, von der sie alle möglichen wichtigen Dinge über etliche Jahre hindurch gelernt haben.

Andere denken sich und verbreiten sogar unter den Leuten, dass es gewissen Personen ohnehin gut geht, wieso sollte man sie unterstützen, immerhin haben sie einen Wasserkocher und eine Waschmaschine! Das sind Dinge, die wirklich vorfallen.

Ma'adha-llah. Die Welt des Nifaq. Die Situation kann gar nicht so sein, dass sie keine Ausrede finden könnten. Möge Allah uns vor den Leuten des Nifaq und vor ihren niederen Eigenschaften bewahren. Amin.

Bei den meisten ist es sogar zu viel verlangt, ihren Zeigefinger für eine oder wenige Sekunden zu bewegen, um einen Beitrag zu teilen oder zu liken oder ähnliches. Der Grundsatz „Takthiru Sawadi l-Muslimin1 ist ihnen fremd, während sie gerade ihrer eigenen Dunya nacheifern. Wenn die Leute wüssten, welche Belohnung sie schon für wenige Mausklicks bekommen könnten, und was ihnen entgeht, weil sie sich einfach nicht interessieren …

Wallahi, was ist das für eine Zeit? Wenn die Muslime im deutschsprachigen Raum oder anderswo einfach von Allah ausgetauscht und als wertlos verworfen werden … wird sich der Muslim mit ein wenig Wissen und Basirah dann wundern?! …

هَاأَنْتُمْ هَؤُلَاءِ تُدْعَوْنَ لِتُنْفِقُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ فَمِنْكُمْ مَنْ يَبْخَلُ وَمَنْ يَبْخَلْ فَإِنَّمَا يَبْخَلُ عَنْ نَفْسِهِ وَاللَّهُ الْغَنِيُّ وَأَنْتُمُ الْفُقَرَاءُ وَإِنْ تَتَوَلَّوْا يَسْتَبْدِلْ قَوْمًا غَيْرَكُمْ ثُمَّ لَا يَكُونُوا أَمْثَالَكُمْ

„Da werdet ihr aufgerufen, um fi-sabili-llah zu spenden. Und unter euch gibt es welche, die geizen werden. Doch wer geizt, der geizt nur sich selbst gegenüber. Und Allah ist der absolut Autarke und ihr seid die Armen. Und wenn ihr den Rücken kehrt, tauscht Er euch gegen andere Leute aus, dann werden sie nicht euresgleichen sein.“

[Suratu Muhammad, 47: 38]

Möge Allah denen Gutes und Rechtleitung geben, die nicht so sind, und uns von ihnen sein lassen …

… jenen, die sich für die Probleme ihrer Geschwister interessieren, die mitfühlen und sich darum kümmern, die wenigstens versuchen, die Situationen anderer nachzuvollziehen, auch wenn sie sich darüber bewusst sind, dass sie diese Dinge niemals selbst nachvollziehen können, weil sie sie nicht erlebt haben.

… jenen, die das Wissen unterstützen für sich und für andere.

Dieser gesamte Hinweis beschränkte sich nicht auf eine bestimmte Person, sondern auf alle Muslime, die sich in den beschriebenen Situationen befinden. Es ging darum, aus dem Tafsir der Ayah auch andere Bedeutungen zu verstehen, die sich zwangsläufig daraus ergeben.

Möge Allah also den vielen Muslimen weltweit helfen, die zu Unrecht eingesperrt sind und zu Unrecht verfolgt werden. Amin.

اللهمّ اجعلْنا مِن الأبرار الذين أَثنَيتَ عليهم في كِتابك، وفُكَّ أسرَ المأسورين، آمين.

  1. Etwa: Die Muslime – in welcher Form auch immer, physisch oder moralisch – zahlenmäßig zu unterstützen.