Ist es erlaubt, die Philosophie für einen „guten Zweck“ zu erlernen?
Die muslimische Gemeinschaft wurde schon in den ersten Jahrhunderten mit den Regeln der griechischen Philosophie konfrontiert. Schon bald versuchten manche Leute, Glaubensgrundlagen durch das reine Nachdenken zu verstehen.
Sie benutzten eigene Regeln, erfanden eigene Begriffe und formulierten ihre Beweise und Argumentationen weit entfernt von den eigentlichen Überlieferungen. So stellten sie schließlich eigene Glaubensgrundsätze auf und wenn diese dem Qur'an und den Überlieferungen widersprachen, dann zogen sie ihre eigenen Gedanken vor.3
Aus dem bisher bereits Gesagten lässt sich auch verstehen, dass es dem Manhaj der Salaf widerspricht, mit falschen Methoden gegen das Falsche zu argumentieren. So ergeben sich folgende Gedanken:
- Die Philosophie, ihre Begriffe/Methoden zu erlernen, um damit ihre Anhänger zu widerlegen, kann nicht der Weg der Salaf sein. Die Salaf haben genau das klar abgelehnt.
Hier stellt sich die Frage: Warum sind Leute, die als große Verfechter des Weges der Salaf gelten, in genau solche endlosen philosophischen Diskussionen verfallen? Immerhin kannten sie die Bücher der Salaf gut und zitierten daraus.
- Andere Leute verteidigen dies damit, dass diese Personen die Meinung hatten, man solle mit den Philosophen in ihrer Sprache sprechen. Dies wäre eine Form der Da'wah, ähnlich wie bei einer Fremdsprache. Auch das ist ein merkwürdiges Argument. Eine Da'wah-Methode, der sich die Salaf nicht bewusst waren?
Wer die Aussagen der Salaf liest, kann eigentlich keinen Zweifel haben, dass sie dies niemals akzeptiert hätten. Warum versuchen manche Leute also, diese Vorgehensweise zu rechtfertigen?
- Das Erlernen der philosophischen Regeln, mit der Begründung, man könne gewisse islamische Wissensgebiete heute eigentlich nur dadurch verstehen, ist noch abwegiger. Gemäß den Aussagen der Salaf ist dies noch eher abzulehnen und eigentlich absurd.
Tatsächlich konnten die Sekten in den ersten Jahrhunderten ihre Irrgedanken häufig gar nicht direkt und ausdrücklich verbreiten. Deshalb ließen sie ihre Methode, auch ihre 'Aqidah (!), in die Bücher des Usulu l-Fiqh einfließen, bis diese letztlich davon durchtränkt waren.
Wie könnte es also annehmbar sein, dass manche Leute sich heute zu den Salaf bekennen, aber in langen Vortragsreihen ausdrücklich Philosophie unterrichten? Was kann so jemand vom „Weg der Salaf“ verstanden haben?
Wenn solche Schuyukh dann von ihren Anhängern als al-'Allamah (der Großgelehrte) oder Schaikhu l-Islam bezeichnet werden, kann der Grund hierfür sicher nicht das starke Festhalten am „Manhaj der Salaf“ sein, sondern eher Unwissenheit oder ein gewisser Personenkult.
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Das sind wichtige Fragen und Konsequenzen, die sich aus den Aussagen der Salaf ergeben.
Viele Leute rufen laut „Salaf“, weil es gerade die meisten in ihrem Umfeld auch rufen. Aber wenn solche Konsequenzen langsam klarer werden, wird bei dem einen oder anderen der Gedanke aufkommen, ob es für seinen Geschmack nicht doch „ein bisschen zu viel Salaf“ sein könnte.
Bleibt am Ende dieser Schrift, Allah um ein richtiges Verständnis und einen vernünftigen Umgang mit den frühen Texten des Islam zu bitten, ohne in Übertreibung oder Untertreibung zu fallen. Übertreibung und Untertreibung natürlich gemäß dem Urteil Allahs und nicht gemäß dem Urteil der Mehrheit der Menschen … Amin.
Wallahu a'lam - und Allah weiß es am besten.
Fußnoten
- Siehe dazu auch die umfassende Einführung des Buches „Die Lehre des Monotheismus“. ↩