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Der Missbrauch diverser Aussagen in Geschichtsbüchern durch verschiedene Gruppen und Strömungen

Volltext-Kapitel aus der Schrift Anmerkungen zur Freitagsansprache: Die Vollständigkeit der Religion … und das Studium der Geschichte · Als PDF lesen

Abgesehen davon war ein weiterer hauptsächlicher Beweggrund für die Wahl dieses Themas, dass diverse Vertreter anderer Meinungen immer wieder Dinge aus Geschichtsbüchern aufgreifen, um diese als scheinbaren Widerspruch darzustellen und dadurch als Gegenargument zu verwenden.

So sieht man, dass z. B. viele Schiiten den Sunniten aufzeigen, dass dies oder jenes geschehen sei in der Geschichte der Sunniten, wie ja aus manchen Geschichtsbüchern zu entnehmen wäre. Auch verschiedene sunnitische Strömungen1 argumentieren gegeneinander mit angeblichen Lehren, die sie aus Geschichtsbüchern gezogen haben. Auf dieselbe Art und Weise argumentieren stellenweise auch Christen gegen Muslime usw.

In der Ansprache sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass die gesamte Argumentation dieser Art hinfällig ist, da diese Geschichtsbücher im Allgemeinen nur als Notiz davon verstanden werden können, was sich die Menschen zu gewissen Zeiten gegenseitig berichteten. Derartige Berichte wurden aus islamischer Sicht nicht authentisch überliefert, da hierfür eine zusammenhängende und korrekte Überlieferungskette von bekannten Personen erforderlich wäre.

Einige solcher Berichte lassen sich durch tatsächliche Beweise erhärten, das meiste jedoch sind nur Behauptungen, deren tatsächlicher Wahrheitsgehalt letztlich zumindest fragwürdig bleibt und die nicht selten auch durch andere, vertrauenswürdigere Informationen widerlegt sind.

Abgesehen davon ist es für die Betrachtung eines islamischen Inhalts hinfällig, ob irgendwelche Einzelpersonen der Muslime Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach der Offenbarung ein gewisses Fehlverhalten an den Tag gelegt haben. Eine ehrliche und wissenschaftlich sinnvolle Diskussion kann sich nur um die eigentlichen Quellen selbst drehen. Dabei kann und muss auch die Authentizität erörtert werden, wodurch aber die hier thematisierten Geschichtsbücher wie gesagt im Großen und Ganzen von vornherein ausscheiden.

In diesem Sinn wurde auch die Aussage von at-Tabari erwähnt, in der er im Vorwort seines umfassenden Werkes über die Geschichte (Tarikhu l-Umami wa l-Muluk = Tarikhu t-Tabari) selbst ganz klar auf diesen Umstand hinwies.

Fußnoten

  1. Wobei mit sunnitisch hier, wie im gängigen Sprachgebrauch verbreitet, alle Strömungen gemeint sind, die den Schiiten in ihren spezifischen Glaubensinhalten widersprechen. Diese Benennung meint also nicht, dass solche sunnitischen Strömungen einer unverfälschten islamischen Lehre folgen. Vielmehr schließt der Begriff auch viele Sekten ein, die in theologischer Opposition zu den Schiiten standen bzw. stehen.