Allah vergibt die Sünde des Shirk nicht – außer durch reuige Umkehr
Im Koran wird zwei Mal ausdrücklich formuliert, dass – im Gegensatz zu allen anderen Sünden – die Sünde des Polytheismus nicht vergeben122 wird:
﴿إِنَّ اللَّهَ لَا يَغْفِرُ أَنْ يُشْرَكَ بِهِ﴾
Wahrlich Allah vergibt nicht, dass Ihm etwas beigesellt123 wird.
(Sure an-Nisa', 4:116)
Wer demgegenüber meint, dass ein Mensch etwas anderes als Allah anbeten und ungeachtet dessen ein Muslim sein könne, sagt das genau Gegenteil dieses Verses aus. Nach dieser verzerrten Sichtweise müsste der Vers genau umgekehrt lauten, nämlich: „Allah vergibt, dass Ihm etwas beigesellt wird.“
In dieser Behauptung liegt also eine klare Zurückweisung dieser koranischen Aussage. Merkwürdiger ist aber, dass es manche Leute gibt, die die genannte Konsequenz tatsächlich annehmen und vertreten. Wenn solche Personen mit dem genannten, deutlichen Widerspruch konfrontiert werden, erklären sie, dass dem Unwissenden seine polytheistischen Handlungen aufgrund seiner Unwissenheit vergeben werden. Gemäß ihrer Behauptung handelt es sich also in jeder Hinsicht um einen Muslim.
Manche versteifen sich dabei derart auf ihre Position, dass sie allen Ernstes behaupten, ein Mensch könne durchaus Jesus anbeten und ihn sogar als Sohn Gottes erachten, aufgrund seiner Unwissenheit aber dennoch ein Muslim sein.
Dieses Beispiel aus der realen Welt zeigt, welche Verwirrung über das islamische Monotheismus-Verständnis heute herrscht und zu welch absurden Aussagen es deshalb in der Diskussion kommt.
Ebenso kann hier angemerkt werden, dass man Behauptungen dieser Art niemals mit islamischen Quelltexten oder auch nur irgendwelchen Aussagen der Gelehrten der frühen Jahrhunderte (as-Salaf) stützen könnte. Für jeden, der auch nur rudimentäre Kenntnisse über die frühen islamischen Texte besitzt, ist dies eine Selbstverständlichkeit.
Fußnoten
- Wie gesagt ist hier natürlich gemeint, solange ein Mensch davon nicht reuig umkehrt, also die sogenannte taubah vollzieht. Wendet sich der Mensch von diesem Shirk jedoch vor seinem Tod völlig ab und bereut die frühere Beigesellung, so vergibt Allah auch diese Sünde. ↩
- Im Arabischen steht hier „yushraka“, das entsprechende Verb zum Wort Shirk. ↩