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Zur weiteren Einteilung des Tauhid in ar-Rububiyyah, al-Uluhiyyah und al-Asma'u wa-s-Sifat

Die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses in den frühen Quellen des Islam und das Fehlverständnis darüber · Volltext-Kapitel aus dem Buch Die Lehre des Monotheismus · Als PDF lesen

Wie bisher schon deutlich wurde, lautet die Botschaft des Islam also nicht in erster Linie „Es gibt einen Schöpfer.“, da dies in der damaligen Zeit als Selbstverständlichkeit galt. Deshalb findet man bei historischen Völkern und ebenso bei heutigen Naturvölkern eigentlich immer diese Grundannahme vor.

Der Koran spricht aus diesem Grund in erster Linie Leute an, die zwar an einen Schöpfer glauben, Sein Recht auf Anbetung und Gehorsam aber anderen zukommen lassen. Deshalb sieht man im Koran immer wieder die Argumentation gegen die Götzendiener mit der Tatsache, dass sie den einen Schöpfer ja anerkennen.

Die Frage, die darauf dann mehrfach im Koran formuliert wird, lautet etwa wie folgt: Wenn die Götzendiener wissen, dass Allah ihr einziger Schöpfer ist und neben Ihm nichts Ebenbürtiges existiert, warum behandeln sie Ihn und einige Seiner Geschöpfe dann im Hinblick auf die Anbetung und den Gehorsam gleich?

Dies ist eine der zentralen Fragen des Koran an die Götzendiener.

Dennoch erfordert das islamische Glaubensbekenntnis natürlich implizit auch die feste Überzeugung von der Einheit und Einzigkeit des Schöpfers und dessen absoluten Eigenschaften.

Aus dem bisher Gesagten sehen wir also, dass es schon in den Versen des Koran und ebenso in den Aussagen der frühesten Gelehrten – schon zur Zeit der Prophetengefährten selbst – faktisch eine Unterteilung des Tauhid/Monotheismus gibt, die folgendermaßen beschrieben werden kann:

  1. Die Einzigkeit Allahs in Seinem Wesen und Seiner Eigenschaft als Schöpfer, Lebensspender und Versorger (Arabisch: ar-Rububiyyah)
  2. Die Einzigkeit Allahs in Seinen Namen und Eigenschaften (Arabisch: al-Asma'u wa-s-Sifat)
  3. Die Einzigkeit Allahs in Bezug auf die Anbetung, welche von Seinen Geschöpfen Ihm gegenüber erbracht wird. (Arabisch: al-Uluhiyyah)

Wie wir bereits gesehen haben, gibt es jedoch bei vielen Menschen der islamischen Welt schon seit Jahrhunderten ein Fehlverständnis zur eigentlichen Aussage des Glaubensbekenntnisses. Sie dachten nämlich, dass dadurch lediglich der erste oben beschriebene Teil des Tauhid gemeint wäre. Wer diesen erfüllt, ist gemäß dieser Sichtweise ein Monotheist – was sich mit dem eigentlichen und authentischen Inhalt des Glaubensbekenntnisses nicht deckt.

Ebensolche Leute lehnen deshalb die Einteilung des Tauhid nach dem oben beschriebenen Muster vehement ab.

Dieser Ablehnung liegt die falsche Annahme zugrunde, man könne diese Unterteilung verhindern, indem man einfach die Benennung der einzelnen Teile anzweifelt bzw. ablehnt.

In diesem Sinne hört man immer wieder die Behauptung, die Einteilung des Tauhid in dieser Weise hätte keine Berechtigung und wäre eine unerlaubte Neueinbringung, eine sogenannte Bid'ah, die erst ab dem achten Jahrhundert nach islamischer Zeitrechnung erfunden wurde.

Wie aber aus den frühesten Quellen des Islam bereits ausreichend gezeigt wurde, ist dies ein naiver Trugschluss. Die tatsächliche Einteilung des Tauhid in diese Teile findet sich unweigerlich im Koran und in den konsensualen Erklärungen der frühesten Gelehrten der Muslime. Die Idee, man könne diese Einteilung durch das Anzweifeln der Benennung der einzelnen Teile verhindern, ist also absurd und geht auf eine klare Unwissenheit über die islamischen Quelltexte zurück.

Die Benennung der drei genannten Teile ist somit nicht das eigentliche Thema. Sie wurde von späteren Gelehrten nur deshalb vorgenommen, um den Sachverhalt zu verdeutlichen, nicht um neue Bedeutungen zu erfinden.

Darüber hinaus gibt es nicht die eine bindende und exklusive Bezeichnung für die einzelnen Formen des Tauhid. Der Tauhid der Anbetung wird deshalb sowohl „Tauhid der Uluhiyyah“ wie auch „Tauhid der 'Ibadah“ genannt, da diese Begriffe gleichbedeutend sind, wie sich z. B. auch aus der Erklärung des frühen Exegeten at-Tabari bei der ersten Erklärung des Verbs 'abada am Anfang seines Tafsir-Werkes deutlich verstehen lässt.

Nach dieser Erklärung lässt sich also zusammenfassend formulieren:

Im Koran wird mit dem Tauhid in der Rububiyyah, welchen die Götzendiener grundsätzlich annahmen, für den Tauhid in der Uluhiyyah argumentiert.

Zur zweiten Form der oben erwähnten Einteilung des Tauhid (Tauhidu l-Asma'i wa-s-Sifat) ist zu erwähnen, dass viele frühislamische Sekten speziell im Bereich der Namen und Eigenschaften Allahs neuartige Konzepte in den Islam einbrachten. Aus diesem Grund wurde der Bereich der Namen und Eigenschaften von den frühen Gelehrten der Muslime als eigener Teil behandelt.

Bei der Einteilung nach dem oben erklärten Muster handelt es sich somit auch aus dieser Hinsicht gewiss nicht um eine Bid'ah (unerlaubte Neueinbringung in den Islam), da diese Einteilung schon von den frühesten Gelehrten des Islam vorgenommen wurde.

Die Bezeichnungen dienten lediglich der besseren Erklärung und dazu, auf neue Irrmeinungen gesondert eingehen zu können. Solange auf solche Benennungen keine falschen Schlussfolgerungen und Prinzipien aufgebaut werden, ist dagegen also grundsätzlich nichts einzuwenden.