Der Polytheist erfüllt den Sinn der Schöpfung und Religion nicht
Auch diese Feststellung wird im Koran deutlich formuliert. So heißt es in Sure adh-Dhariyat:
﴿وَمَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَالْإِنْسَ إِلَّا لِيَعْبُدُونِ (56) مَا أُرِيدُ مِنْهُمْ مِنْ رِزْقٍ وَمَا أُرِيدُ أَنْ يُطْعِمُونِ (57) إِنَّ اللَّهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِينُ﴾
Und ich habe die jinn und die Menschen nur erschaffen, um Mir zu dienen124. Ich wünsche keine Versorgung von ihnen, noch wünsche Ich, dass sie Mich speisen. Wahrlich Allah, Er ist der Versorger, der Inhaber der Macht, der Unerschütterliche.
(Sure adh-Dhariyat, 51:56-58)
Al-Bukhari selbst erklärt diesen Vers in einer der Überschriften seines Sahih-Werkes mit den folgenden Worten:
{وَمَا خَلَقْتُ الجِنَّ وَالإِنْسَ إِلَّا لِيَعْبُدُونِ} [الذاريات: 56]: «مَا خَلَقْتُ أَهْلَ السَّعَادَةِ مِنْ أَهْلِ الفَرِيقَيْنِ إِلَّا لِيُوَحِّدُونِ»
… nur, um Mich zu einem Einzigen zu machen. (illa li-yuwahhiduni)
Bei dieser Erklärung wurde also abermals das Wort Tauhid bzw. das Verb wahhada gebraucht, wodurch ausgedrückt ist, dass Allah سبحانه وتعالى in der Anbetung zu einem gemacht wird.
Diese Aussage erwähnte al-Bukhari – gemäß seiner allgemeinen Vorgehensweise bei Aussagen in den Kapitelüberschriften – in Anlehnung an Persönlichkeiten der Salaf, von denen dieselbe Erklärung überliefert wurde.
So überliefert z. B. Muqatil ibnu Sulaiman (gest. 150 n. H.) genau diesen Wortlaut von einem noch früheren Gelehrten der Salaf:
حدَّثنا عبد اللَّهِ قَالَ: حَدَّثَنِي أَبِي عَنْ أَبِي صَالِحٍ، قال: «إلا لِيوحِّدون»
Dies ist auch der Grund dafür, dass von der islamischen Gelehrsamkeit darauf hingewiesen wird, dass jede Aufforderung im Koran, Allah anzubeten, eine Aufforderung zum Tauhid, also zum Monotheismus in der Anbetung ist.
Dies ist auch insofern völlig klar, weil der ganze Koran erklärt, was mit dieser Aufforderung zur Anbetung gemeint ist. Es könnte damit unmöglich gemeint sein, man solle an die Existenz eines Schöpfers glauben und diesen anbeten, selbst wenn man daneben auch andere Dinge oder Wesen anbetet. Dies wäre der Gegensatz zur zentralen Botschaft des islamischen Monotheismus.
Der Aufruf der Götzendiener zur Anbetung an sich, ohne den zugehörigen Monotheismus darin, wäre darüber hinaus absurd, da die vorislamischen Götzendiener Allah ohnehin anbeteten. Wie bereits zuvor schon dargelegt, ist dies eine unbestreitbare theologische und auch historische Tatsache.
Wäre also die bloße Anbetung ohne den Tauhid und ungeachtet der Anbetung anderer gemeint, dann hätten die Götzendiener die Forderung bereits erfüllt, womit die ganze Botschaft sinnlos wäre.
Die alleinige Anbetung Allahs ist also das, was die Geschöpfe erbringen sollen. Stellt sich nun die Frage, wie der Polytheist nun als Muslim gelten kann, der Allahs Wohlgefallen erlangt und schließlich ins Paradies eingeht, wobei er diesen Sinn nicht erfüllt?
In diesem Kontext sei auch nochmals an den zuvor schon besprochenen Vers erinnert, in dem es heißt:
﴿وَمَا أُمِرُوا إِلَّا لِيَعْبُدُوا اللَّهَ مُخْلِصِينَ لَهُ الدِّينَ حُنَفَاءَ وَيُقِيمُوا الصَّلَاةَ وَيُؤْتُوا الزَّكَاةَ وَذَلِكَ دِينُ الْقَيِّمَةِ﴾
Und es wurde ihnen nichts anderes aufgetragen als Allah anzubeten, ihren Din Ihm gegenüber reinigend, als hunafa', und das Gebet einzurichten und die Zakat zu geben. Und dies ist der geradlinige, aufrechte Din.
(Sure al-Bayyinah, 98:5)
Fußnoten
- Im Arabischen wird das Wort ya'budun verwendet. Also: „damit sie nur Mir 'Ibadah/Gottesdienst/Anbetung entgegenbringen.“ ↩