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Die Krankheit des Ghuluww

Volltext-Kapitel aus der Schrift Der Ghuluww – Die Krankheit der Übertreibung im Din · Als PDF lesen

Der Ghuluww – also die Übertreibung – im Din ist eine abartige Krankheit, die letzten Endes zu tatsächlichem Wahnsinn führen kann – wa-l-'iyadhu billah.

Al-Bukhari überliefert von Abu Hurairah folgenden Hadith:

إِنَّ الدِّينَ يُسْرٌ، وَلَنْ يُشَادَّ الدِّينَ أَحَدٌ إِلَّا غَلَبَهُ

„Wahrlich, der Din ist eine Erleichterung. Und niemand macht den Din heftig (bzw. schwer), außer dass er [der Din] ihn überwindet.“

So kann man den arabischen Text vielleicht übersetzen. Erklärt wird dies im Allgemeinen damit, dass man sich z. B. in der 'Ibadah nicht aufbürden soll, was man nicht ertragen kann.

In weiterer Folge bezieht es sich natürlich aber auch auf die Übertreibung im Din ganz allgemein. Denn wer den Din verändert und für sich selbst und andere unerträglich macht, der wird diesen Weg sicher nicht unbeschadet gehen können. Der Din hingegen nimmt dadurch keinen Schaden und überwindet die krankhaften Übertreiber.

Natürlich kann so ein Hadith von diversen abgeirrten Strömungen missbraucht werden. Manche extreme Sufis rufen die Toten an und wenn ihnen dies untersagt wird behaupten sie, dies wäre fehlender Adab mit den Auliya' und eine Übertreibung im Din. Und eventuell bringen sie sogar diesen Hadith als „Beweis“.

Das ändert aber nichts daran, dass die Übertreibung im Din viele Einzelpersonen und Gruppen in den Untergang geführt hat und dass dieser Hadith auch davor warnt.

Manche Leute glauben – bei der aktuellen Rückbesinnung vieler Menschen zu den Salaf –, dass ein Mensch, sobald er sich die Salaf als Vorbild nimmt, vor jedem Irregehen geschützt ist, also auch vor dem Ghuluww. Und dieses Traumdenken ist mit einem Wort: Unsinn!

Wir sehen in der Realität das genaue Gegenteil: Ein übler Mensch, der nicht von seinem Übel ablassen will, bleibt ein übler Mensch, ob mit den Athar der Salaf oder ohne Athar.

Man sieht seit Jahren, dass jene Leute, die plötzlich ganz groß die Rückkehr zu den Salaf verkündeten, genau dieselben Krankheiten haben und dass bei ihnen genau dieselben Masa'il (Fragestellungen) auftreten, wie zuvor auch. Ihr Benehmen ist genauso kindsköpfig, lächerlich und hitzköpfig, wie bei denjenigen Ghulat, die von den Salaf nicht viel Ahnung haben.

Meistens, wirklich meistens, kommt solches Verhalten von Leuten, die noch ziemlich jung sind, physisch und psychisch.

Passend dazu die Aussage, die von einigen Sahabah überliefert wird, wie Abdullah ibnu Mas'ud und Abu d-Darda', dass sie sagten:

‌وَالشَّبَابُ ‌شُعْبَةٌ ‌مِنَ ‌الْجُنُونِ

„Und die Jugend ist eine Kategorie des Wahnsinns (bzw. der Geisteskrankheit/ar. Junun).“

Eine Aussage, über die man tief nachdenken muss. Überliefert wird dies z. B. von Ibnu Abi Schaibah im Musannaf, von Ahmad in az-Zuhd und von Hannad in seinem gleichnamigen Werk, az-Zuhd.

Klarerweise bedeutet dies nicht, dass ausnahmslos jeder junge Mensch schlecht oder verrückt ist, wa-l-'iyadhu billah. Die Bedeutung der Aussage ist schon verständlich – für Menschen, die eben nicht an einer Art des Junun leiden.