Den Islam falsch lernen – Kann man so überhaupt irgendwann Muslim sein?
Solche Probleme entstehen vor allem dann, wenn Leute sich von Anfang an nur mit Takfir beschäftigen, aber ihren Din überhaupt nicht richtig lernen, wie sie ihn lernen sollten und wie die frühen Muslime ihn gelernt hatten.
Alle Gelehrten der Salaf begannen ihre Werke immer mit sehr grundlegenden, allgemeinen Dingen. Sie begannen mit den einfachsten und wichtigsten Dingen, die ein Muslim glauben muss, den fünf Säulen des Islam und den sechs Grundlagen des Iman, mit dem Wudu', dem Gebet, dem Fasten usw. Wäre es wirklich so, dass ein Mensch alle Eventualitäten und Details der 'Aqidah verstanden haben muss und die Mukaffirat und Nawaqidu l-Iman – also Dinge, die den Islam ungültig machen – etliche Jahrzehnte studiert haben muss, bevor er sich überhaupt seines eigenen Islams sicher sein kann, dann hätten all diese Gelehrten der Salaf wirklich gar nichts verstanden!
So kann es also nicht sein. Und wer die 'Aqidah einigermaßen studiert hat, der weiß, wenn eine – angeblich unbedingt notwendige und für den Islam unerlässliche – Mas'alah scheinbar verstanden wurde, dann erscheinen drei andere, und so geht es weiter und weiter.
Leute, die vorgeben, alles bestens verstanden zu haben und erklären zu können, haben selbst nicht alles studiert, sie wissen noch nicht einmal, welche Masa'il alle auf sie warten. Und von den Fragen, die sie kennen, haben sie viel weniger verstanden als sie denken.
Al-Bukhari sagt in seinem Sahih-Werk im Buch des Wissens in Bezug auf die Aussage Allahs in Sure Ali 'Imran, 3: 79: „Seid Rabbaniyyin“:
وَيُقَالُ: الرَّبَّانِيُّ الَّذِي يُرَبِّي النَّاسَ بِصِغَارِ الْعِلْمِ قَبْلَ كِبَارِهِ
„Es wird gesagt: ‚Der Rabbaniyy ist derjenige, der die Menschen mit den kleinen Dingen des Wissens erzieht, vor den großen.“
Welche Bedeutung soll diese Aussage haben, wenn Menschen als erstes nach ihrem Bekenntnis zum Islam 30 Jahre lang Detailfragen der 'Aqidah und des Takfir studieren müssen, dann erst recht vieles nicht kennen und nicht verstehen, um überhaupt Muslime sein zu können, oder vielleicht auch nicht? Und wie erst dann, wenn es sich um Nicht-Araber handelt, die zuerst mal zehn Jahre oder mehr die Sprache erlernen müssen, oder um Leute, die arm sind und hart arbeiten müssen für ihr eigenes Überleben und das ihrer Familie und nicht mit dem Silberlöffel im Mund und staatlichen Beihilfen aufwachsen? Gibt es für all diese Leute überhaupt keinen Weg zum Islam und zum Eintritt ins Paradies?
Das sind Fragen, die sich viele Menschen heute ernsthaft stellen sollten.