Die Schmähung der Philosophie und ihrer Anhänger
Die verwerfliche Philosophie führte schon bald in der Frühzeit des Islam zur Entstehung von irregeführten Sekten mit einem verzerrten Islamverständnis und infolgedessen zu schwerer Spaltung und Zwietracht.
Diese Philosophie war zur damaligen Zeit – und ist bis heute – vor allem unter den Namen 'Ilmu l-Kalam oder einfach nur al-Kalam, al-Mantiq (المنطق) und al-Falsafah bekannt. Im Grunde handelt es sich dabei größtenteils um die Regeln der griechischen Philosophie von Aristoteles und seinesgleichen, die von irregegangenen Sektierern übernommen wurden.
Solche Leute wandten diese Regeln auf die islamischen Quelltexte an, was zu einer Entstellung der Inhalte führte und nicht selten mit der Abtrünnigkeit vom Islam endete.
Die frühen Gelehrten der Salaf begegneten all dem geschlossen mit Ablehnung, was sehr zahlreich überliefert wird. So überliefert z.B. Abu Nu'aim al-Asbahani (gest. 430 n. H.), dass asch-Schafi'i sagte:
… ثَنَا أَبُو مُحَمَّدِ بْنُ أَبِي حَاتِمٍ، ثَنَا يُونُسُ بْنُ عَبْدِ الْأَعْلَى، سَمِعْتُ الشَّافِعِيَّ، يَقُولُ: «لأَنْ يُبْتَلَى الْمَرْءُ بِكُلِّ مَا نَهَى اللهُ عَنْهُ مَا عَدَا الشِّرْكَ بِهِ خَيْرٌ مِنَ النَّظَرِ فِي الْكَلَامِ، فَإِنِّي وَاللهِ اطَّلَعْتُ مِنْ أَهْلِ الْكَلَامِ عَلَى شَيْءٍ مَا ظَنَنْتُهُ قَطُّ» [حلية الأولياء وطبقات الأصفياء]
„Dass ein Mensch mit allem geprüft wird, was Allah verboten hat, abgesehen vom Schirk, ist besser für ihn als der Blick in die Philosophie. Ich habe – bei Allah – von der Philosophie Dinge gesehen, die ich mir (vorher) nie vorstellen hätte können.“
Dieselbe Aussage überliefert auch Abu 'Umar ibnu 'Abdi l-Barr [gest. 463 n. H.] und erwähnt dabei, dass asch-Schafi'i dies sagte, nachdem er ein Gespräch mit Hafs al-Fard hatte, in welchem asch-Schafi'i diese Person deutlich des Kufr bezichtigte, wie ebenfalls überliefert wird:
… يُونُسُ بْنُ عُبْدِ الْأَعْلَى قَالَ: ذَكَرَ لِيَ الشَّافِعِيُّ، رَحِمَهُ اللهُ، كَثِيرًا مِمَّا جَرَى بَيْنَهُ وَبَيْنَ حَفْصٍ الْفَرْدِ يَوْمَ كَلَّمَهُ ثُمَّ قَالَ لِيَ «اعْلَمْ أَنِّي اطَّلَعْتُ مِنْ أَهْلِ الْكَلَامِ عَلَى شَيْءٍ مَا ظَنَنْتُهُ قَطُّ، وَلَئنْ يُبْتَلَى الْمَرْءُ بِكُلِّ مَا نَهَى اللهُ عَنْهُ مَا عَدَا الشِّرْكِ خَيْرٌ لَهُ مِنْ أَنْ يَنْظُرَ فِي الْكَلَامِ» [جامع بيان العلم وفضله]
Die strikte Ablehnung und Verachtung der frühen Gelehrten gegenüber dem Kalam werden in unzähligen Überlieferungen erwähnt.
Dies geht so weit, dass ganze Bücher über dieses Thema zusammengetragen wurden, wie z.B. das Buch „Dhammu l-Kalami wa Ahlihi / Die Schmähung der Philosophie und ihrer Leute“ von Abu Isma'il al-Harawi (gest. 481 n. H.).
Dass Hadith-Gelehrte, vor allem etwas spätere, solche Dinge in ihren Büchern überlieferten oder sogar ein ganzes Buch darüber zusammentrugen, bewahrte einige davon nicht, in einzelnen Angelegenheiten selber fehlerhafte 'Aqidah-Inhalte anzunehmen.1
Wem das hier Gesagte klar ist, der wird nicht an der folgenden Schlussfolgerung vorbei kommen:
Niemals kann jemand der Methode der Salaf folgen und auf der Rechtleitung und dem ursprünglichen, reinen Islamverständnis sein, wenn er sich mit 'Ilmu l-Kalam beschäftigt.
… wie also erst, wenn jemand den Kalam unterrichtet, wa-l-'Iyadhu bi-llah.
Möge Allah uns also vor dem Übel des Kalam bewahren. Amin.
Es sollte hierbei nicht vergessen werden: Das ist es, was die Salaf sagten. Diese Aussagen stammen nicht vom Verfasser dieser Schrift.
Fußnoten
- Siehe dazu den Text: „Die Hadith-Gelehrten des 5. Jahrhunderts und die späteren Gelehrten im Allgemeinen“. ↩